Netzwerkstrukturen-mit-InfiniBand: Unterschied zwischen den Versionen

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=== ''' Zukunftssicher und mittelstandstauglich ''' ===
#WEITERLEITUNG [[Netzwerkstrukturen mit InfiniBand]]
''' Die Entwicklung der Basistechnologien und Übertragungsraten im Netzwerk- und Storagebereich ist in den letzten Jahren<br />
weit hinter dem Wachstum von Datenvolumen und Rechenkapazitäten in allen Anwendungsszenarien zurückgeblieben.<br />
Umso dringlicher wird die Suche nach zukunftsfähigen Al-ternativen auch im Mittelstand. InfiniBand verspricht, dafür die Lösung zu sein. ''' <br />
<br />
Welcher IT-Verantwortliche hätte sich das nicht auch schon gewünscht? Eine neue, stabile Technologie für den Serverpark,<br />
mit der die Übertragung großer Datenmengen nicht zur Geduldsprobe ausartet und die gleichzeitig weder das Budget<br />
noch die beherrschbare Komplexität sprengt. Noch weitgehend unbemerkt von der durchschnittlichen IT-Organisation<br />
hat sich in jüngster Zeit die InfiniBand-Technologie (IB) zu einer Lösung dieser Fragen gemausert. Sie verspricht,<br />
alle gewünschten Eigenschaften in sich zu vereinen, bis auf eine: Sie ist nicht neu. Das muss aber kein Nachteil sein.<br />


=== ''' Historie ''' ===
Tatsächlich wurde der erste InfiniBand-Standard bereits im Jahr 2000 verabschiedet von der InfiniBand Trade Association<br />
(ITBA, ein Zusammenschluss von Compaq, Dell, Hewlett-Packard, IBM, Intel, Microsoft und Sun). Er war damals gedacht als<br />
Nachfolgetechnologie für den PCI Bus. Nachdem sich aber im Segment der Arbeitsstationen und Enterprise-Server stattdessen<br />
der PCI Express als Bus-System durchgesetzt hat, wurde InfiniBand immer mehr eine Verbindungstechnologie in der Domäne<br />
von Supercomputern und High-Performance-Anwendungen. Im Jahr 2014 basierten 45% der in der TOP500 gelisteten Supercomputer<br />
auf InfiniBand. Das zeigt, dass InfiniBand eine höchst ausgereifte, stabile und skalierbare Technologie ist, die jedoch<br />
lange Zeit zu teuer für den Einsatz in normalen Unternehmen war. Dies hat sich zuletzt deutlich ver-ändert:<br />
Aufgrund technologischer Innovationen und der Suche nach neuen Zielmärkten sind die Preise für InfiniBand-Komponenten in den<br />
letzten Jahren auf ein Niveau gesunken, das sich nicht mehr von dem der Konkurrenztechnologien wie 10 GBit Ethernet oder Fibre Channel unterscheidet.<br />
=== ''' Technologie ''' ===
Obwohl ähnlich im Preisgefüge besitzt die Technologie von InfiniBand doch im Kern eine völlig andere Archi-tektur.<br />
Es handelt sich nicht um eine Netzwerk- sondern um eine Busstruktur. Man kann sich InfiniBand als eine „Verlängerung“<br />
des serverinternen PCIe Busses vorstellen. Damit einher gehen einige Merkmale, die wesentlich für das Performanceversprechen<br />
dieses Standards sind: Die Übertragungsrate beträgt derzeit bis zu 100 GBit/s je Port bei gleichzeitig extrem niedriger Latenz.<br />
Für höhere Performanceanforderungen können mehrere physikalische Ports logisch gekoppelt werden. Als etablierte,<br />
nicht-experimentelle Technologie steht InfiniBand derzeit 10 GBit Ethernet bzw. 8 bis 16 GBit Fibre Channel gegenüber.<br />
Bei Storage-Anwendungen überträgt IB die Daten per RDMA (Remote Direct Memory Access). Dieses Feature erlaubt es Anwendungen,<br />
Daten direkt in den Hauptspeicher des Zielsystems zu schreiben, ohne Umweg über einen Netzwerkprotokoll-Stack. Das entlastet<br />
die CPU und vermeidet unnötige und zeitintensive Kopiervorgänge. Dieselbe Systematik ist mit InfiniBand auch für<br />
paketorientierte Netzwerkanwendungen verfügbar und wird RoCE genannt (RDMA over Converged Ethernet). Gleichzeitig gliedert sich<br />
InfiniBand nahtlos in bestehende IT-Landschaften ein, denn den Anwendungen zeigt es sich in der tatsächlichen Nutzung je nach<br />
Konfiguration als Netz- oder Datenverbindung. Diese Einstellung ist durch den Administrator festlegbar und hängt nicht von<br />
der eingesetzten IB Hardware ab. Anders ausgedrückt: Mit ein und derselben InfiniBand-Hardware lassen sich flexibel<br />
mehrere parallel nutzbare Ethernet- und blockbasierte Verbindungen (SRP/iSER) mit defi-nierbaren Bandbreiten realisieren.<br />
Die Einrichtung der IB-Komponenten ist kein Hexenwerk, sollte aber in Hinsicht auf die gewünschte Gesamtstruktur<br />
in Produktivumgebungen nur von Experten mit InfiniBand-Erfahrung durchgeführt werden. V.a. in heterogenen Systemlandschaften<br />
mit gemischten Technologien und unterschiedlichen Betriebssystemen gibt es bei der Umsetzung diverse Fallstricke, die erkannt<br />
und umgan-gen werden wollen. Im laufenden Betrieb unterstützt InfiniBand den Administrator dann durch seine umfang-reichen<br />
Monitoring-Fähigkeiten, die deutlich über das von der Konkurrenz Gewohnte hinausgehen. Spätes-tens hier jedoch stößt<br />
der Einsteiger an seine Grenzen, denn Konfiguration und treffsichere Interpretation des InfiniBand-Monitorings erfordern<br />
einiges an Detail-Know-How.<br />
[[Datei: Performance.jpg|left|thumb|400px]]
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''InfiniBand bietet überlegene Bandbreiten für die Vernetzung von Servern und Rechenzentren.<br />
Die Preise der drei Technologien bewegen sich auf vergleichbarem Niveau.''
<br />
=== ''' Komponenten und Anbieter ''' ===
InfiniBand stellt den derzeit einzigen nicht-proprietären offenen Hochgeschwindigkeitsstandard dar. Eine InfiniBand-Infrastruktur<br />
wird aus denselben grundlegenden Komponenten aufgebaut wie herkömmliche Net-ze: IB-Host-Channel-Adapter (HCAs) in den beteiligten Servern,<br />
dazwischen IB-Kabel aus Kupfer oder Glas-faser und im Allgemeinen auch IB-Switches bzw. Router. Preise beginnen bei unter 500,- Euro für HCAs,<br />
unter 3.500,- Euro für einen 12-Port Managed Switch und unter 100,- Euro für 5 Meter Kupferkabel. Viele IB-Switches bieten eine Besonderheit:<br />
Damit die schöne neue InfiniBand-Welt keine Insel bleibt, besitzen sie die Möglichkeit über ein Splitter-Kabel einen 40G-Port in einen oder<br />
mehrere 10G-Ports für den Übergang ins restliche Unternehmensnetzwerk bereitzustellen. Mit einem 12-Port Switch sind so 48x10G-Ports realisierbar.<br />
Trotz gesunkener Preise wird kaum eine Organisation mehr als den Serverraum mit InfiniBand ausstatten wollen, obwohl das technisch in<br />
einer geswitchten Infrastruktur mit Kabellängen von bis zu über hundert Metern durchaus möglich wäre. Zum Betrieb der HCAs in den Servern bedarf<br />
es passender Treiber je Betriebssystem. Aufgrund der Offenheit und Unabhängigkeit des Standards sind diese für alle gängigen Systeme verfügbar,<br />
u.a. für Windows Server und Client Versionen, alle großen Linux Distributionen wie Red Hat und SUSE sowie für die Virtualisierer VMware ESXi,<br />
Microsoft Hyper-V und Citrix/Xen. Der dominieren-de Hersteller von IB-Baugruppen ist die Firma Mellanox, die auch alle Varianten von<br />
fertigen Komponenten anbietet. Komponenten stellen aber auch diverse andere Integratoren her, wie beispielsweise Intel/QLogic oder Oracle/Sun.<br />
Auch weitere Major Brands setzen mit ihren Produkten auf InfiniBand, etwa Cisco bei Ser-ver¬switches der 3000er und 7000er Serie. Andere Anbieter<br />
tun innerhalb ihrer Black-Boxen dasselbe, aller-dings ohne dabei InfiniBand beim Namen zu nennen. Trotz der Offenheit des Standards ist aber nicht<br />
zu leugnen, dass die Schar der Anbieter von InfiniBand-Komponenten derzeit noch überschaubar ist. Das liegt an der Abgeschlossenheit<br />
des High Performance Computing Bereichs, in dem sich InfiniBand bis vor weni-gen Jahren ausschließlich entwickelt hat. Es steht zu erwarten,<br />
dass mit den gesunkenen Preisen und wachsender Verbreitung auch die Anbieter in absehbarer Zeit deutlich zahlreicher werden.<br />
[[Datei: IB-Komponenten.JPG|left|thumb|400px]]
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''InfiniBand-Komponenten: Switch, Host-Channel-Adapter und Kabel'' <br />
=== ''' Vorteile und Einschränkungen ''' ===
So ergeben sich im Vergleich zu herkömmlichen Verkabelungslösungen im Serverbereich eine ganze Reihe von Vorteilen:<br />
Neben deutlich höheren und skalierbaren Übertragungsbandbreiten bei gleichzeitig geringerer Latenz und Hostbelastung stellt<br />
InfiniBand durch die hohe Produktreife im Betrieb erstklassige Zuverlässig-keit und Wartbarkeit sicher. Die Möglichkeit,<br />
InfiniBand-Verbindungen bedarfsgerecht sowohl als Netzwerk-wie auch als Datenverbindung zu konfigurieren, birgt das Potential,<br />
sowohl Ethernet als auch Fibre Channel bzw. iSCSI bei der Serververnetzung nicht nur zu ergänzen, sondern vollständig abzulösen.<br />
Man spricht in diesem Zusammenhang von Netzwerkkonvergenz. Daraus wird in vielen Fällen nicht nur eine Leistungsstei-gerung resultieren,<br />
sondern gleichzeitig eine Komplexitätsreduktion der notwendigen Netzstrukturen. Zum einen sinkt aufgrund der Bandbreitenvorteile<br />
tendenziell die Anzahl der notwendigen physikalischen Verbin-dungen, zum anderen lassen sich alle Anwendungsfälle mit derselben<br />
Technologie abdecken. Das führt dazu, dass auch die Kosten für Aufbau und Betrieb eines IB-Netzes häufig niedriger ausfallen<br />
als bei den Konkurrenztechnologien: Eine geringere Anzahl an technischen Komponenten, weniger stark diversifiziertes Fachwissen<br />
innerhalb der Betriebsgruppen und zu guter Letzt die Herstellerunabhängigkeit und Offenheit des Standards mit entsprechend<br />
konkurrenzfähigen Komponenten- und Lizenzmodellen machen dies möglich.<br />
Wo so viel Licht ist, muss es naturgemäß auch Schatten geben. So ist InfiniBand zum heutigen Stand klar auf die Vernetzung<br />
innerhalb von Serverräumen bzw. Rechenzentren ausgelegt. Gebäudeübergreifende (Campus) Netzwerke sind von 1-80km möglich.<br />
Für die Vernetzung hin zu den Clients ist Ethernet nach wie vor unersetzlich. Auch wenn der Übergang von den IB-Komponenten<br />
leicht gemacht wird, ist doch auch in Zukunft entsprechendes Ethernet-Equipment und Know-How für die IT-Organisationen unerlässlich.<br />
Und auch bei der Überbrückung weiter Entfernungen ist InfiniBand nicht immer erste Wahl: Über Glasfaser lassen sich derzeit<br />
WAN-Strecken mit bis zu 1600 Kilometer überbrücken, die Reichweite von Ethernet bleibt jedoch unübertroffen.<br />
[[Datei:Konsolidierung.jpg|left|thumb|400px]]
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''Netzwerkkonvergenz: Da InfiniBand sowohl als Ethernet als auch als Fibre Channel Verbindungen konfiguriert werden können,<br />
lässt es sich leicht in bestehende Infrastrukturen integrieren und bietet die Möglichkeit, die alten Standards schrittweise vollständig abzulösen.''<br />
=== ''' Anwendungsbeispiele ''' ===
Bei der Verbindung räumlich naher Geräte kann InfiniBand jedoch seine Stärken ausspielen. Abseits der Supercomputer-Welt stellen daher<br />
applikationsspezifische Serverkoppelungen, Virtualisierungsplattformen, Storagelösungen sowie Backupanbindungen<br />
typische Anwendungsszenarien für InfiniBand dar. Gerade im Storagebereich lassen sich so nicht nur Performanceverbesserungen erzielen,<br />
sondern im Vergleich zu den proprietären Lizenzmodellen der Major Brands oft auch massive Preisvorteile. Entscheidend dafür ist<br />
der Einsatz von Software Defined Storage Lösungen, mit denen der Anwender unabhängig wird von einzelnen Herstellern, während InfiniBand<br />
die notwendige breitbandige Verbindung zwischen den eingesetzten Stan-dard-Komponenten bereitstellt.<br />
=== ''' Ein- und Umstieg ''' ===
Die Entscheidung für oder gegen InfiniBand ist nicht schwarz-weiß. IB-Komponenten koexistieren, wie be-reits erwähnt, ohne weiteres mit<br />
herkömmlichen Netzwerktechniken und lassen sich leicht integrieren. Daher sollte eine IT-Organisation im Bedarfsfalle die Umstellung<br />
Schritt für Schritt durchführten. Gerade zu Beginn sollten, wenn möglich, zuerst zusätzliche bzw. ergänzende Anwendungen mit IB realisiert werden,<br />
um das notwendige Know-How bei den Administratoren aufzubauen. Die Umstellung der Bestandssysteme, v.a. der geschäftskritischen Anwendungen,<br />
sollte erst danach erfolgen. Alle Schritte sollten ggf. durch externen Ex-pertenrat begleitet und abgesichert werden. Dadurch lassen sich Risiken<br />
für den IT-Betrieb minimieren und neue Strukturen von vorneherein optimal gestalten.<br />
=== ''' Fazit ''' ===
Mit seinen technischen Eigenschaften stellt sich InfiniBand als die derzeit beste Option für die Serververnet-zung dar und ist aufgrund<br />
des massiven Preisverfalls auch für mittelständische Unternehmen erschwinglich. Ähnlich leistungsfähige Strukturen werden von den bekannten Herstellern<br />
meist nur als proprietäre Lösungen zu ungleich höheren Kosten angeboten. Während 100GbE und 32Gb FC noch in der Phase der Ankün-digungen und<br />
Marktvorbereitung stecken, ist InfiniBand ausgreift, stabil und verfügbar. Bereits seit Jahren nicht nur im High Performance Computing Bereich etabliert,<br />
garantieren Leistungsfähigkeit und Skalierbarkeit zusammen mit Offenheit, Herstellerunabhängigkeit und Interoperabilität des Standards Investitionssicherheit<br />
für Anwender, die an die Grenzen der herkömmlichen Technologien stoßen. Unternehmen sollten den Ein- und Umstieg zu InfiniBand schrittweise vollziehen,<br />
unter Einbeziehung des notwendigen Expertenwissens.<br /><br />
=== ''' Weitere Informationen ''' ===
Weitere Informationen zu Netzwerkstrukturen finden Sie auf<br />
[https://www.max-it.de/techcorner/Netzwerkstrukturen-mit-InfiniBand www.max-it.de/maxCentral]/<br />
<br />
=== '''Kontakt''' ===
Wenn Sie Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel haben, wenden Sie sich bitte an uns:<br />
[http://mailto:techcorner@max-it.de techcorner@max-it.de].<br />
Über m.a.x. Informationstechnologie AG: <br />
Als etabliertes Münchner Systemhaus zeichnen wir uns seit 1989 als verlässlicher IT-Partner mittelständischer und<br />
großer Unternehmen aus. Unser Portfolio reicht von IT- Services über individuelle Softwareentwicklung bis hin zur ERP-Beratung.<br />
<br />
=== ''' Tags ''' ===
InfiniBand, Netzwerkstrukturen, High Performance Computing, Busstruktur, Netzwerkanwendungen,<br />
applikationsspezifische Serverkoppelungen, Virtualisierungsplattform, Storagelösungen, Backupanbindungen
[[Kategorie: Netzwerk-Hardware]]

Aktuelle Version vom 15. September 2026, 00:00 Uhr