Netzwerk-Durchsatz mit iperf3 messen

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Auf einen Blick

Gilt füriperf3 3.x (aktuell 3.22) unter Debian 12/13, Ubuntu 24.04/26.04, RHEL 9/10 und Windows; iperf 2.x
BereichNetzwerk-Software
Dauerca. 15 Minuten
Rechtenormaler Benutzer für die Messung; root bzw. sudo für Installation und Firewall-Freigabe
StandOktober 2026

Den Netzwerk-Durchsatz mit iperf3 messen ist der zuverlässigste Weg, die tatsächliche Übertragungsrate zwischen zwei Rechnern zu ermitteln – unabhängig von Festplatten, Dateifreigaben oder Browsern. Mit TCP-Messungen prüfen Sie, ob eine Leitung, ein Switch-Port oder ein VPN die erwartete Bandbreite liefert; mit UDP-Messungen ermitteln Sie Paketverluste und Jitter, etwa bei Problemen mit der Sprachqualität. Diese Anleitung zeigt Installation, Messung, Auswertung und die typischen Fehlerquellen.

Netzwerk-Durchsatz mit iperf3 messen: Ein Rechner läuft als Server auf Port 5201, der andere als Client baut die Messung auf. TCP-Messung mit parallelen Streams (-P), umgekehrter Richtung (-R) oder in beide Richtungen (--bidir) liefert Bitrate und Retransmits; UDP-Messung mit vorgegebener Bitrate (-u -b) liefert Jitter und Paketverlust. Richtwerte: 1 GbE ergibt etwa 940 Mbit/s, 10 GbE etwa 9,4 Gbit/s Nutzdaten.

So funktioniert die Durchsatzmessung mit iperf3

iperf3 arbeitet nach dem Client-Server-Prinzip: Auf einem Endpunkt läuft iperf3 als Server, auf dem anderen als Client. Der Client erzeugt künstlichen Datenverkehr und beide Seiten messen, wie viel davon in welcher Zeit ankommt. Gemessen wird damit die Strecke dazwischen – Kabel, Switches, Router, Firewall, WLAN oder VPN.

  • Port: iperf3 verwendet standardmäßig TCP und UDP 5201 (iperf 2: 5001).
  • Richtung: Standardmäßig sendet der Client zum Server (Upload aus Sicht des Clients).
  • Ein Test zur Zeit: Ein iperf3-Server bedient immer nur eine Messung gleichzeitig; ein zweiter Client erhält „the server is busy running a test“.

iperf3 installieren

# Debian / Ubuntu (die Frage nach dem automatischen Start als Dienst mit „Nein“ beantworten)
sudo apt install iperf3

# RHEL / Rocky / Alma / Fedora
sudo dnf install iperf3

Auf dem Server den Port in der lokalen Firewall freigeben:

# Ubuntu mit ufw
sudo ufw allow 5201/tcp && sudo ufw allow 5201/udp
# RHEL mit firewalld (nur bis zum nächsten Neustart)
sudo firewall-cmd --add-port=5201/tcp --add-port=5201/udp

Für Windows stellt das iperf3-Projekt (ESnet) keine eigenen Programmpakete bereit; es gibt aber verbreitete, aktuelle Builds von Drittanbietern. Laden Sie diese nur aus vertrauenswürdiger Quelle und prüfen Sie die Prüfsumme. Messungen aus dem WSL heraus sind wegen der zusätzlichen Virtualisierungsschicht ungenau. Die früher verbreitete Java-Oberfläche jperf basiert auf dem alten iperf 2 und wird nicht mehr gepflegt.

TCP-Durchsatz messen

Server starten:

iperf3 -s

Auf dem Client die Messung starten (30 Sekunden, Ausgabe je Sekunde):

iperf3 -c 10.12.11.100 -t 30

Beispielausgabe (gekürzt) einer Gigabit-Verbindung:

Connecting to host 10.12.11.100, port 5201
[  5] local 10.12.10.100 port 45088 connected to 10.12.11.100 port 5201
[ ID] Interval           Transfer     Bitrate         Retr  Cwnd
[  5]   0.00-1.00   sec   112 MBytes   941 Mbits/sec    0    395 KBytes
[  5]   1.00-2.00   sec   112 MBytes   941 Mbits/sec    0    395 KBytes
...
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
[ ID] Interval           Transfer     Bitrate         Retr
[  5]   0.00-30.00  sec  3.29 GBytes   941 Mbits/sec    0             sender
[  5]   0.00-30.00  sec  3.29 GBytes   939 Mbits/sec                  receiver
  • Bitrate der Zeile receiver ist der tatsächlich angekommene Durchsatz.
  • Retr (Retransmits) zählt erneut gesendete TCP-Segmente. Werte nahe 0 sind gut; viele Retransmits deuten auf Paketverluste, Überlast oder Duplex-Probleme hin.
  • Cwnd ist das aktuelle TCP-Staufenster des Senders.

Wichtige Optionen:

Option Wirkung Wann sinnvoll
-R Server sendet zum Client (umgekehrte Richtung) Download prüfen, ohne die Rollen zu tauschen
--bidir gleichzeitig in beide Richtungen Vollduplex-Verhalten, asymmetrische Leitungen
-P 4 4 parallele Streams 10 GbE und mehr, Leitungen mit hoher Latenz; ab iperf3 3.16 laufen die Streams in eigenen Threads
-w 4M TCP-Fenstergröße festlegen einzelner Stream über WAN/VPN mit hoher Latenz
-t 60 / -O 3 Messdauer / erste Sekunden nicht werten stabile Mittelwerte, TCP-Anlaufphase ausblenden
--json Ausgabe als JSON automatisierte Messungen, Monitoring

UDP-Durchsatz, Jitter und Paketverlust messen

Bei UDP gibt der Client die Senderate vor – ohne -b sendet iperf3 nur 1 Mbit/s. Der Server misst, wie viele Pakete ankommen, in welcher Reihenfolge und mit welchen Laufzeitschwankungen (Jitter):

iperf3 -c 10.12.11.100 -u -b 900M -t 30

Die entscheidende Zusammenfassung (gekürzt):

[ ID] Interval           Transfer     Bitrate         Jitter    Lost/Total Datagrams
[  5]   0.00-30.00  sec  3.14 GBytes   900 Mbits/sec  0.000 ms  0/2329170 (0%)  sender
[  5]   0.00-30.00  sec  3.07 GBytes   880 Mbits/sec  0.021 ms  48912/2329170 (2.1%)  receiver

Von 2.329.170 gesendeten Paketen gingen hier 48.912 verloren – 2,1 %. Ein solcher Wert erklärt bereits hörbare Aussetzer bei Telefonie oder Videokonferenzen.

VoIP-Verkehr nachbilden: Ein Sprachkanal mit G.711 sendet 50 kleine Pakete pro Sekunde. Dieses Muster prüft, ob kleine Pakete verloren gehen oder schwanken – unabhängig von der verfügbaren Bandbreite:

iperf3 -c 10.12.11.100 -u -b 64K -l 160 -t 60

Ergebnisse richtig bewerten

Verbindung realistischer TCP-Durchsatz (MTU 1500)
Fast Ethernet (100 Mbit/s) ca. 94 Mbit/s
Gigabit Ethernet ca. 940 Mbit/s
2,5 GbE ca. 2,35 Gbit/s
10 GbE ca. 9,4 Gbit/s (meist nur mit mehreren Streams)

Die Differenz zur Nennrate ist kein Fehler: Ethernet-, IP- und TCP-Header kosten rund 6 %. Für UDP-Sprachverkehr gelten als Richtwerte: Paketverlust unter 1 %, Jitter unter 30 ms.

Typische Ursachen für zu geringen Durchsatz:

  • Hohe Latenz bei einem einzelnen TCP-Stream: Der Durchsatz ist durch Fenstergröße ÷ Laufzeit begrenzt. Für 100 Mbit/s bei 40 ms Latenz muss das Fenster mindestens 100 Mbit/s × 0,04 s = 500 KB groß sein. Abhilfe: -P oder -w und TCP-Tuning der Systeme.
  • CPU-Limit: Messungen auf Firewalls, Routern oder kleinen NAS sind durch deren CPU begrenzt – immer durch das Gerät hindurch messen, zwischen zwei leistungsfähigen Endpunkten.
  • Duplex- oder Kabelfehler: viele Retransmits, Fehlerzähler am Switch-Port (ip -s link, ethtool -S).
  • MTU-Probleme bei VPN oder Jumbo Frames: Fragmentierung oder verworfene Pakete, siehe MTU.
  • WLAN: Ergebnisse schwanken stark; immer zusätzlich eine kabelgebundene Referenzmessung durchführen.

iperf 2 und die Messung aus der Praxis

Das ältere iperf 2 (aktuell 2.2.x) wird parallel weiterentwickelt und ist nicht mit iperf3 kompatibel – beide Seiten müssen dieselbe Variante verwenden. Die Befehle unterscheiden sich leicht:

# TCP – Server als Hintergrunddienst, Client mit 512 KB Fenster und Ausgabe je Sekunde
iperf -s -D -w 512k
iperf -i1 -w 512k -c <ServerIP>

# UDP mit 1000 Mbit/s
iperf -u -s -D
iperf -u -i1 -c <ServerIP> -b 1000m

Eine reale Messung über eine Gigabit-Strecke zeigte mit iperf 2 per TCP 900 Mbit/s, per UDP jedoch nur 795 Mbit/s bei einem Verlust von 14.801 von 691.023 Paketen (2,1 %) – die Ursache für die schlechte Sprachqualität am Standort.

Hinweise

  • Einen iperf3-Server nie dauerhaft offen ins Internet stellen; nach der Messung beenden oder mit iperf3 -s -1 nur eine einzige Messung annehmen.
  • Für Messungen über Internetanschlüsse einen eigenen Gegenpunkt (z. B. einen Server im Rechenzentrum) verwenden – öffentliche iperf3-Server sind oft überlastet.
  • Regelmäßige Messungen lassen sich mit --json automatisieren und im Monitoring auswerten.

Unterstützung von m.a.x. it

Bei Netzwerkanalysen, Performance-Engpässen und dem Betrieb von Linux-Systemen unterstützt Sie das Linux-Consulting von m.a.x. it – von der Messung über die Ursachenanalyse bis zur Optimierung von Servern und Netzwerkpfaden.

Siehe auch

Links und Quellen


Über m.a.x. it Die m.a.x. Informationstechnologie AG ist seit über 30 Jahren IT-Partner mittelständischer und großer Unternehmen in München und bietet maßgeschneiderte Lösungen und Services in den Bereichen Cloud, Cybersecurity, Netzwerk, Windows, Linux und Softwareentwicklung. Sie haben eine Frage zu diesem Artikel oder brauchen Unterstützung? Kontakt aufnehmen