OPNsense - Maltrail Erkennung von Schadverkehr

Aus maxTechCorner

Auf einen Blick

Gilt fürOPNsense 26.1/26.7 mit Plugin os-maltrail 1.10
BereichIT-Security
Dauerca. 20 Minuten (Einrichtung), danach regelmäßige Auswertung
RechteAdministrator (OPNsense-WebUI)
StandOktober 2026

Maltrail ist ein Open-Source-System zur Erkennung von Schadverkehr (Malicious Traffic Detection). Es gleicht den Netzwerkverkehr mit öffentlichen Blocklisten, Antiviren-Berichten und eigenen Listen ab – sogenannten Trails: Domainnamen, URLs, IP-Adressen oder HTTP-User-Agents, die mit Malware, Botnetzen, Phishing, Krypto-Minern, Tor oder Scannern in Verbindung stehen. Zusätzlich erkennen Heuristiken auch bisher unbekannte Auffälligkeiten. Mit dem Plugin os-maltrail läuft Maltrail direkt auf der OPNsense und zeigt, welches Gerät im Netz mit welchem verdächtigen Ziel kommuniziert – ein wertvoller Frühindikator für infizierte Systeme.

Maltrail im Vergleich zu IDS/IPS

Kriterium Maltrail Suricata (OPNsense Intrusion Detection)
Ansatz Abgleich mit Reputationslisten (Domains, IPs, URLs) + Heuristik Signaturen auf Paket- und Protokollebene
Stärke Erkennung kompromittierter Clients (C2, Malware-Domains, Miner) Erkennung von Exploits und Angriffsmustern, Blockieren im Inline-Modus
Blockieren Indirekt über Firewall-Alias Direkt (IPS-Modus)
Ressourcen gering bis mittel mittel bis hoch

Beide ergänzen sich: Maltrail liefert eine übersichtliche Liste verdächtiger Kommunikation, Suricata erkennt Angriffe auf Protokollebene.

Maltrail auf der OPNsense: Der Sensor prüft den Verkehr gegen Trails und Heuristiken, der Server zeigt die Ereignisse in einer Weboberfläche, leitet sie an ein SIEM weiter und stellt eine Sperrliste als Firewall-Alias bereit.

Aufbau: Sensor und Server

  • Sensor: Liest den Netzwerkverkehr auf den gewählten Schnittstellen mit und meldet Treffer.
  • Server: Speichert die Ereignisse, stellt die Weboberfläche bereit und kann Ereignisse mehrerer Sensoren (z. B. mehrerer Standorte) sammeln.

Auf einer einzelnen OPNsense laufen Sensor und Server gemeinsam.

Schritt 1: Plugin installieren

System → Firmware → Plugins: os-maltrail installieren und die Seite neu laden. Das Menü befindet sich unter Services → Maltrail mit General, Sensor und Server.

Schritt 2: Admin-Passwort setzen (Pflicht!)

HinweisDas Plugin hinterlegt als Standard den SHA256-Hash des Passworts changeme!, und die Weboberfläche lauscht standardmäßig auf allen Adressen. Vor dem Aktivieren des Servers unbedingt ein eigenes Passwort setzen und die Listen-Adresse einschränken.

Maltrail erwartet das Passwort als SHA256-Hash. Erzeugen lässt er sich z. B. so:

# Linux / macOS
echo -n 'MeinSicheresPasswort' | sha256sum
# OPNsense / FreeBSD (Shell)
sha256 -s 'MeinSicheresPasswort'
# Windows PowerShell
$b=[Text.Encoding]::UTF8.GetBytes('MeinSicheresPasswort'); -join ([Security.Cryptography.SHA256]::Create().ComputeHash($b) | % { $_.ToString('x2') })

Den Hash unter Services → Maltrail → General im Feld SHA256 Admin Password eintragen.

Schritt 3: Allgemeine Einstellungen (General)

Feld Standard Empfehlung
Use Heuristics an an lassen – erkennt z. B. verdächtige Domainnamen (DGA), lange DNS-Anfragen oder ungewöhnliche Dateidownloads
Check Hostheaders aus optional; prüft zusätzlich HTTP-Host-Header gegen Domain-Trails. Hinweis: In der aktuellen Plugin-Vorlage (1.10) folgt später ein fester Eintrag CHECK_HOST_DOMAINS false, sodass die Option derzeit vermutlich keine Wirkung hat.
Update Period 86400 (1 Tag) Standard oder kürzer (z. B. 21600 = 6 Stunden)
Monitor Interface leer (alle) die internen Schnittstellen (LAN, VLANs, DMZ) – so bleibt die Quell-IP des betroffenen Geräts sichtbar; WAN nur zusätzlich, wenn eingehende Scans interessieren
Whitelist leer bekannte Fehlalarme (IPs oder Domains), z. B. eigene Scanner oder Update-Server

Schritt 4: Sensor aktivieren

Services → Maltrail → Sensor:

  • Enable Maltrail Sensor aktivieren.
  • Capture All: aus (Standard) prüft UDP, ICMP, TCP-Verbindungsaufbauten und typische HTTP-/Proxy-Ports – das spart Ressourcen. Aktiviert wird sämtlicher IPv4/IPv6-Verkehr untersucht.
  • Capture Buffer Size: leer = 10 % des Arbeitsspeichers; auf kleinen Systemen gezielt begrenzen (z. B. 100 MB).
  • Remote Server leer lassen (lokaler Server) bzw. bei zentralem Maltrail-Server dessen Adresse und Port (Standard 8337/UDP) eintragen.
  • Syslog Server / Syslog Port: Ereignisse zusätzlich per Syslog weiterleiten – z. B. an ein SIEM.

Schritt 5: Server aktivieren

Services → Maltrail → Server:

Feld Standard Empfehlung
Enable Maltrail Server aus aktivieren
UI Listen Address 0.0.0.0 (alle Adressen) auf die LAN-/Management-Adresse der Firewall ändern, z. B. 192.168.10.1
UI Listen Port 8338 Standard
Add Blocklist Alias aus aktivieren, um erkannte Angreifer-IPs automatisch als Firewall-Alias BlocklistMaltrail bereitzustellen
Log Listen Address/Port leer nur bei zentralem Server für entfernte Sensoren (UDP 8337)

Anschließend Firewall → Rules auf dem LAN-/Management-Interface: Zugriff auf TCP 8338 der Firewall nur von Admin-Systemen erlauben. Die Weboberfläche ist unter http://192.168.10.1:8338 erreichbar (Benutzer admin, Passwort aus Schritt 2). Sie verwendet kein HTTPS – bei Zugriff über unsichere Netze per SSH-Tunnel oder Reverse Proxy (z. B. Caddy mit Access List) absichern.

Schritt 6: Ereignisse auswerten

Die Weboberfläche zeigt pro Tag eine Zeitleiste und eine Ereignistabelle mit:

  • Quelle und Ziel (IP, Port) – die Quelle ist bei überwachten LAN-Schnittstellen das betroffene interne Gerät,
  • Trail (z. B. eine Domain oder IP), Info (z. B. malware, suspicious, known attacker, crypto mining, tor exit) und Referenz (Quelle der Liste),
  • Severity und Anzahl der Treffer.

Vorgehen bei einem Treffer:

  1. Plausibilisieren: Ist der Trail glaubwürdig (Referenz prüfen) oder ein Fehlalarm (z. B. Werbe-/Tracking-Domain)?
  2. Gerät identifizieren: Über DHCP-Leases bzw. ARP-Tabelle der OPNsense herausfinden, welches Gerät hinter der Quell-IP steht.
  3. Untersuchen: Virenscan, EDR-Auswertung, ggf. Gerät isolieren.
  4. Fehlalarme unter General → Whitelist eintragen.

Schritt 7: Erkannte Angreifer blockieren (Alias)

Mit Add Blocklist Alias legt das Plugin den Alias BlocklistMaltrail an. Er enthält IPs, die Maltrail als Angreifer, Massen-Scanner, Spammer oder bei Web-Angriffen (Directory Traversal, Injection, Remote Code Execution) erkannt hat. Verwendung:

  • Firewall → Rules, Interface WAN: Block-Regel mit Quelle BlocklistMaltrail ganz oben – blockiert eingehende Verbindungen dieser IPs.
  • Optional auf internen Interfaces eine Block-Regel mit Ziel BlocklistMaltrail.

Die Sperrliste reagiert auf beobachtetes Verhalten; sie ersetzt keine kuratierten Blocklisten, ergänzt sie aber sinnvoll.

Zentraler Betrieb mit mehreren Standorten

Bei mehreren Firewalls kann eine OPNsense (oder ein separater Linux-Server) als zentraler Maltrail-Server dienen: Dort Log Listen Address/Port setzen (UDP 8337) und auf den Außenstellen im Sensor unter Remote Server diese Adresse eintragen – über ein VPN, da die Übertragung unverschlüsselt ist. Die lokale Speicherung entfällt dann auf den Sensoren.

Ressourcen, Grenzen und Datenschutz

  • Verschlüsselter Verkehr: Bei HTTPS sieht Maltrail Ziel-IP und (über DNS) den Domainnamen, nicht aber URLs oder Inhalte. Da DNS-Anfragen der Clients meist über die Firewall laufen, sind Domain-Trails dennoch sehr wirksam. DNS over HTTPS in Browsern kann die Erkennung umgehen – ggf. per Richtlinie unterbinden.
  • Ressourcen: Sensor und Paketmitschnitt benötigen CPU und RAM, besonders mit Capture All bei hohem Durchsatz.
  • Datenschutz: Maltrail protokolliert Verbindungsdaten von Beschäftigten (IP, Ziel, Zeit). Einsatz mit Datenschutzbeauftragten bzw. Betriebsrat abstimmen und Aufbewahrungsfristen festlegen.
  • Weiterverarbeitung: Ereignisse per Syslog an ein SIEM übergeben, z. B. ein Open-Source-SIEM auf Wazuh-Basis, und dort mit Endpoint-Daten korrelieren.

Typische Probleme

Symptom Lösung
Weboberfläche nicht erreichbar Server aktiviert? UI Listen Address/Port und Firewall-Regel prüfen.
Anmeldung schlägt fehl Hash statt Klartext eintragen; beim Erzeugen keinen Zeilenumbruch mitrechnen (echo -n).
Keine Ereignisse Sensor aktiviert? Monitor Interface korrekt? Trails nach dem ersten Start erst nach dem Update vorhanden.
Viele Fehlalarme Whitelist pflegen; Werbe-/Tracking-Domains bewerten; Heuristik-Treffer kritisch prüfen.
Hohe Last Capture All deaktivieren, Capture Buffer begrenzen, weniger Schnittstellen überwachen.

Fazit

Maltrail ist ein schlanker, sehr nützlicher Baustein für die Netzwerksicherheit: Es zeigt auf einen Blick, welche Geräte mit bekannten Schad-Infrastrukturen sprechen, und liefert mit dem Firewall-Alias eine einfache Möglichkeit, auffällige Angreifer zu sperren. Wichtig sind ein eigenes Admin-Passwort, eine auf das Management-Netz beschränkte Oberfläche und eine regelmäßige Auswertung der Ereignisse.

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Siehe auch

Links und Quellen


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