Proxmox VE: Upgrade von Version 8 auf 9
Auf einen Blick
| Gilt für | Upgrade Proxmox VE 8.4 (Debian 12 „Bookworm“) auf Proxmox VE 9.2 (Debian 13 „Trixie“); Einzelserver und Cluster, optional mit Ceph |
|---|---|
| Bereich | Server-Software |
| Dauer | Vorbereitung ca. 1–2 Stunden, dann ca. 30–90 Minuten je Knoten |
| Rechte | root auf allen Knoten, Konsole per IPMI/iDRAC/iLO oder SSH mit tmux |
| Stand | Oktober 2026 |
Proxmox VE von Version 8 auf 9 upgraden ist seit August 2026 Pflicht, denn Proxmox VE 8 erhält keine Updates mehr. Diese Anleitung zeigt das Upgrade von 8.4 auf die aktuelle 9.2 mit dem Prüfskript pve8to9, die Umstellung der Repositorys von Bookworm auf Trixie im deb822-Format, das Vorgehen im Cluster Knoten für Knoten und die typischen Stolperfallen aus dem offiziellen Upgrade-Leitfaden.

Warum das Upgrade jetzt ansteht
Proxmox VE 9.0 erschien im August 2025 auf Basis von Debian 13 „Trixie“; die aktuelle 9.2 (Mai 2026) bringt Kernel 7.0, QEMU 11.0, ZFS 2.4 und Ceph Tentacle. Proxmox VE 8 hat im August 2026 das Support-Ende erreicht – es gibt keine Sicherheitsupdates mehr, auch nicht im Enterprise-Repository. Ein ungepatchter Hypervisor ist ein erhebliches Risiko, weil er alle Gäste trägt.
Was 9.x unter anderem mitbringt:
- Snapshots von VMs mit TPM auf dateibasiertem Storage (TPM-Zustand in qcow2), Container aus OCI-Images (Technology Preview).
- HA-Regeln statt HA-Gruppen, in 9.2 dynamischer Lastausgleich für HA-Gäste und clusterweites disarm/arm für Wartungsarbeiten.
- SDN-Fabrics (OpenFabric, OSPF, in 9.2 auch WireGuard und BGP).
- Voraussetzung für einige Funktionen des Proxmox Datacenter Manager.
Voraussetzungen und Prüfung mit pve8to9
| Prüfpunkt | Anforderung |
|---|---|
| Ausgangsversion | alle Knoten auf aktueller 8.4, pve-manager mindestens 8.4.1 (pveversion)
|
| Ceph (hyperkonvergent) | vorher auf Ceph 19.2 Squid aktualisieren; Quincy oder Reef zuerst nach eigener Anleitung anheben |
| Backups | alle VMs und Container gesichert und Rücksicherung getestet |
| Speicherplatz | mindestens 5 GB frei auf /, besser über 10 GB
|
| Zugang | Konsole per IPMI/iKVM oder vor Ort; bei SSH in tmux oder screen arbeiten, nicht in der Konsole der Weboberfläche
|
| Cluster | Cluster gesund, Quorum vorhanden (pvecm status)
|
| Co-installierter PBS | zuerst den Leitfaden für Proxmox Backup Server 3 auf 4 lesen |
Zuerst den Stand 8.4 herstellen, dann das Prüfskript mit allen Tests laufen lassen:
apt update
apt dist-upgrade
pveversion
pve8to9 --full
pve8to9 ändert nichts, es meldet nur. Jede Warnung und jeden Fehler beheben und das Skript erneut ausführen, bis es sauber durchläuft. Häufige Meldungen:
- LVM-Autoaktivierung: Neue logische Volumes legt Proxmox VE 9 ohne Autoaktivierung an. Für bestehende Gastvolumes – dringend bei gemeinsam genutztem LVM, etwa über ISCSI oder FC – das mitgelieferte Skript ausführen:
/usr/share/pve-manager/migrations/pve-lvm-disable-autoactivation. - systemd-boot-Metapaket: entfernen, wenn
pve8to9dazu rät; nur behalten, wenn systemd-boot bewusst manuell eingerichtet wurde. - GRUB im UEFI-Modus auf LVM: fehlendes Paket nachinstallieren, sonst droht ein nicht startendes System:
[ -d /sys/firmware/efi ] && apt install grub-efi-amd64
- Audit-Meldungen im Journal: vorab
systemctl disable --now systemd-journald-audit.socketausführen.
Upgrade von Proxmox VE 8 auf 9 Schritt für Schritt
Schritt 1: Debian-Quellen auf Trixie umstellen
sed -i 's/bookworm/trixie/g' /etc/apt/sources.list
# weitere Dateien in /etc/apt/sources.list.d/ prüfen, Bookworm-Reste auskommentieren
grep -r bookworm /etc/apt/sources.list /etc/apt/sources.list.d/
Schritt 2: Proxmox-Repository im deb822-Format
Ohne Subskription (No-Subscription):
cat > /etc/apt/sources.list.d/proxmox.sources <<'EOF'
Types: deb
URIs: http://download.proxmox.com/debian/pve
Suites: trixie
Components: pve-no-subscription
Signed-By: /usr/share/keyrings/proxmox-archive-keyring.gpg
EOF
# alten PVE-8-Eintrag (bookworm pve-no-subscription) aus .list-Dateien entfernen
Mit Subskription stattdessen /etc/apt/sources.list.d/pve-enterprise.sources anlegen (URI https://enterprise.proxmox.com/debian/pve, Suite trixie, Component pve-enterprise, gleicher Signed-By-Eintrag) und nach erfolgreichem apt update die alte pve-enterprise.list löschen.
Schritt 3: Ceph-Repository (nur mit Ceph)
Auch unter Trixie bleibt zunächst Squid installiert; der Wechsel auf Tentacle ist ein eigener, späterer Schritt.
cat > /etc/apt/sources.list.d/ceph.sources <<'EOF'
Types: deb
URIs: http://download.proxmox.com/debian/ceph-squid
Suites: trixie
Components: no-subscription
Signed-By: /usr/share/keyrings/proxmox-archive-keyring.gpg
EOF
rm /etc/apt/sources.list.d/ceph.list
Mit Subskription lautet die URI https://enterprise.proxmox.com/debian/ceph-squid mit Component enterprise. Meldet apt update einen Fehler 401, hilft pvesubscription update --force.
Schritt 4: Upgrade ausführen
apt update
apt policy | grep trixie # Quellen kontrollieren
apt dist-upgrade
Der Lauf dauert je nach Platten wenige Minuten bis über eine Stunde. Fragen zu geänderten Konfigurationsdateien beantworten Sie so:
| Datei | Empfehlung |
|---|---|
/etc/issue |
aktuelle Version behalten |
/etc/lvm/lvm.conf |
Version des Paketbetreuers, sofern nicht selbst angepasst |
/etc/ssh/sshd_config |
Version des Paketbetreuers, sofern nicht selbst angepasst |
/etc/default/grub |
im Zweifel aktuelle Version behalten |
/etc/chrony/chrony.conf |
Version des Paketbetreuers; eigene Server vorher in /etc/chrony/sources.d/ auslagern
|
Danach pve8to9 erneut ausführen und den Knoten neu starten – auch wenn vorher schon ein neuerer Opt-in-Kernel lief. Kontrolle: pveversion -v und uname -r. Optional wandelt apt modernize-sources verbliebene .list-Dateien ins deb822-Format um (alte Dateien bleiben als .bak erhalten).
Im Cluster: Knoten für Knoten mit Live-Migration
Live-Migration von Proxmox VE 8 nach 9 funktioniert immer, die Gegenrichtung ist nicht unterstützt. Daraus ergibt sich die Reihenfolge:
- Ersten Knoten leeren: Gäste per Live-Migration auf die übrigen 8.4-Knoten verschieben. HA-Gäste verschiebt der Wartungsmodus automatisch:
ha-manager crm-command node-maintenance enable pve1. - Bei Ceph vor dem Neustart
ceph osd set nooutsetzen, damit nicht unnötig umverteilt wird. - Knoten wie oben aktualisieren, neu starten, Wartungsmodus mit
… disable pve1beenden und prüfen (pvecm status,ceph -s). - Gäste des nächsten Knotens auf den bereits aktualisierten Knoten migrieren, dann diesen Knoten aktualisieren – und so weiter.
- Nach dem letzten Knoten
ceph osd unset noout.
Weitere Punkte im gemischten Betrieb:
- Eine Weboberfläche auf einem 9er-Knoten kann bei Aktionen auf einem 8er-Knoten Ungereimtheiten zeigen; dann die Oberfläche des jeweiligen Knotens nutzen.
- HA-Gruppen werden zu HA-Regeln, sobald alle Knoten auf Version 9 laufen. Probleme zeigt
journalctl -eu pve-ha-crmauf dem aktiven CRM-Knoten. - Gemischte CPU-Modelle oder -Hersteller können nach der Live-Migration zu hängenden VMs führen. Vorher mit einer unkritischen VM testen; Grundlagen in Proxmox VE: Cluster und Hochverfügbarkeit.
- Ceph meldet nach dem Neustart des ersten Monitors eventuell HEALTH_ERR wegen unsicherer Schlüsseltypen. Die Dienste laufen weiter; die Schlüssel werden nach dem Upgrade aller Knoten laut Admin-Handbuch migriert.
Typische Stolperfallen
| Thema | Auswirkung | Abhilfe |
|---|---|---|
/etc/sysctl.conf |
wird unter Trixie nicht mehr gelesen | Einstellungen nach /etc/sysctl.d/<NN>-<name>.conf verschieben (auch den rp_filter-Override für EVPN-Exit-Nodes)
|
/tmp |
ist jetzt tmpfs (bis 50 % RAM), Dateien in /tmp und /var/tmp werden im Betrieb aufgeräumt |
keine dauerhaften Daten dort ablegen |
| Netzwerk-Schnittstellennamen | können sich durch den neuen Kernel ändern, Bridge ohne Uplink | vorab mit pve-network-interface-pinning feste Namen vergeben, Konsolenzugang bereithalten
|
| Container mit sehr altem systemd | cgroup v1 entfällt, systemd 230 und älter läuft nicht mehr | alte Container vorher aktualisieren oder ersetzen |
| Speicher-Plugins von Drittanbietern | funktionieren ggf. nicht | auf eine für Version 9 freigegebene Plugin-Version warten |
| Backup-Software von Drittanbietern | teils Probleme mit QEMU-Maschinenversion 10.0 und neuer | Freigabe des Herstellers prüfen, betroffene VMs bei Bedarf auf ältere Maschinenversion festlegen |
| NVIDIA vGPU | ältere Treiber inkompatibel | vor dem Upgrade GRID 18.3 oder neuer installieren |
| PCIe-Passthrough | einzelne VMs starten nicht | älteren Kernel festlegen, Ursache klären |
| LVM-Thin-Pool | Meldung „Manual repair required“ | lvconvert --repair pve/data
|
| Speicheranzeige der VMs | Werte über 100 % | nur Anzeige: Der Overhead der VM wird jetzt mitgezählt |
| Ceph-Full-Mesh mit FRR | Knoten hängt beim Start | post-up-Zeile laut Upgrade-Leitfaden anpassen
|
Bricht das Upgrade ab, die Trixie-Quellen prüfen und mit apt -f install fortsetzen. Fragt apt nach dem Entfernen des Metapakets proxmox-ve, abbrechen – dann fehlt meist eine Paketquelle.
Nach dem Upgrade
- Ceph Tentacle: Für Neuinstallationen ist Tentacle (20.2) Standard. Bestehende Cluster können auf Squid bleiben und später nach eigener Anleitung wechseln – nicht im selben Wartungsfenster.
- Proxmox Backup Server: Läuft PBS separat, wird er eigenständig von 3 auf 4 aktualisiert (offizieller Leitfaden „Upgrade from 3 to 4“). PVE 9 sichert auch auf PBS 3, die Aktualisierung sollte aber zeitnah folgen, siehe Proxmox Backup Server: Einrichtung und Backup-Strategie.
- Backups prüfen: Den nächsten Backup-Lauf und die Benachrichtigungen kontrollieren.
- Neue Funktionen: HA-Regeln, SDN-Fabrics und eigene CPU-Modelle schrittweise einführen, nicht alles im Upgrade-Fenster.
Hinweise
- Testlauf: Wer keine Testumgebung hat, installiert Proxmox VE 8.4 in einer VM, stellt die wichtigsten Konfigurationen nach und übt das Upgrade dort – inklusive
pve8to9 --full. - Wartungsfenster: Pro Knoten mit Neustart und Kontrollen mindestens eine Stunde einplanen; bei Ceph zwischen den Knoten warten, bis
ceph -swieder HEALTH_OK meldet. - Zeitdruck: Systeme ohne Updates seit August 2026 haben Vorrang vor neuen Projekten.
- Bei Upgrade und Betrieb Ihrer Debian- und Proxmox-Server unterstützt Sie das Linux-Consulting von m.a.x. it.
Siehe auch
- Proxmox im Unternehmen – Überblick und alle Artikel der Reihe
- Proxmox VE: Installation und Grundkonfiguration
- Proxmox VE: Cluster und Hochverfügbarkeit
- Proxmox VE: Storage mit ZFS, Ceph und Replikation
- Proxmox VE: Sicherheit mit Rollen, 2FA, Firewall und Updates
Links und Quellen
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