UniFi: QoS und Bandbreitensteuerung einrichten

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(Weitergeleitet von UniFi Smart Queues)

Auf einen Blick

Gilt fürUniFi Cloud Gateways, UniFi-Switches und Access Points mit UniFi Network 9.4 bis 10.x
BereichNetzwerk-Hardware
Dauerca. 30–60 Minuten
RechteAdministrator in UniFi Network
StandOktober 2026

QoS und Bandbreitensteuerung in UniFi einrichten sorgt dafür, dass Telefonie, Videokonferenzen und Geschäftsanwendungen auch dann flüssig laufen, wenn der Internetanschluss oder ein Uplink ausgelastet ist – etwa durch Updates, Cloud-Backups oder Gäste. UniFi bietet dafür mehrere Werkzeuge auf drei Ebenen: QoS-Regeln am Gateway (priorisieren und begrenzen nach Gerät, Netz, Anwendung oder Ziel), Warteschlangen und DSCP an den Switches sowie WMM und Geschwindigkeitsgrenzen im WLAN. Dieser Artikel zeigt, welches Werkzeug wann passt, und eine bewährte Konfiguration für VoIP und Microsoft Teams.

QoS in UniFi auf drei Ebenen: Am Gateway priorisieren QoS-Regeln Teams und VoIP und begrenzen Updates und Gäste, Smart Queues helfen bei Anschlüssen unter 300 Mbit/s; Switches ordnen Verkehr nach DSCP in die Warteschlangen 0 bis 7 und begrenzen Ports; Access Points bilden DSCP automatisch auf WMM ab (DSCP 46 = Voice). Achtung: QoS-Regeln schalten das Hardware-Offloading des Gateways ab.

Wo QoS wirkt

Ebene Werkzeug Wirkung typischer Einsatz
Gateway QoS-Regeln (Prioritize, Limit) Verkehr ins Internet, in VPN-Tunnel und zwischen VLANs Teams vor Updates, Gäste begrenzen
Gateway Smart Queues gesamter Internetverkehr, gegen Bufferbloat Anschlüsse unter 300 Mbit/s
Switch DSCP-Zuordnung zu Warteschlangen, Egress Rate Limit Verkehr im LAN, an Uplinks Telefone, AV-Systeme, Uplink-Engpässe
Access Point WMM (automatisch), WiFi Speed Limit Funkzugriff Sprache im WLAN, Gäste begrenzen

Faustregel von Ubiquiti: QoS möglichst am Gateway anwenden – dort ist der Engpass meist der Internetanschluss. Switch- und AP-Einstellungen ergänzen das für Verkehr, der im LAN bleibt.

Schritt 1: QoS-Regeln am Gateway

Settings › Policy Table › Create New Policy › QoS (Network 9.3: Settings › Policy Engine › QoS):

  1. Name vergeben.
  2. Objective wählen:
    • Prioritize – Verkehr in eine höher priorisierte Warteschlange,
    • Limit – Upload/Download auf einen Höchstwert begrenzen,
    • Prioritize and Limit – beides.
  3. Interface: ein WAN, alle WANs oder ein VPN-Tunnel.
  4. Source: Any, bestimmte Geräte oder Netze (VLANs).
  5. Destination: Any, App (einzelne Anwendungen oder Kategorien), IP/Ports, Domain oder Region. Domänen funktionieren nur, wenn die Clients das Gateway als DNS-Server nutzen.
  6. Optional Schedule, z. B. nur zu Geschäftszeiten.

Bewährte Regeln für ein Büro

Name Objective Quelle Ziel Wert
Videokonferenzen Prioritize Netz Clients App: Microsoft Teams, Zoom, Webex –
Telefonie Prioritize Netz VoIP Any –
Updates begrenzen Limit Netz Clients App: Windows Update, Apple-Updates z. B. 20 % des Anschlusses
Cloud-Backup tagsüber Limit Backup-Server Domain des Backup-Anbieters Zeitplan 7–19 Uhr
Gäste Limit Netz Gäste Any z. B. 50/10 Mbit/s gesamt


WarnungQoS-Regeln schalten das Hardware-Offloading des Gateways ab. Das senkt den maximalen Durchsatz für alle Clients – laut Ubiquiti je nach Modell um 24–45 % bei Verkehr über 1 Gbit/s. Bei schnellen Anschlüssen (Glasfaser ab 1 Gbit/s) deshalb nur wenige, gezielte Regeln anlegen und die Geschwindigkeit danach messen.

Schritt 2: Smart Queues bei langsamen Anschlüssen

Bei DSL- oder Kabelanschlüssen unter 300 Mbit/s verhindern Smart Queues, dass ein voller Upload die Latenz für alle in die Höhe treibt (Bufferbloat):

  1. Settings › Internet › WAN › Smart Queues aktivieren.
  2. Upload und Download auf etwa 90–95 % der real gemessenen Geschwindigkeit setzen.

Ab 300 Mbit/s rät Ubiquiti davon ab. Für die Begrenzung einzelner Geräte sind QoS-Regeln mit Limit gedacht, nicht Smart Queues.

Schritt 3: Switches – DSCP und Warteschlangen

Telefone und Konferenzsysteme markieren ihre Pakete mit DSCP-Werten. Die Switches können diese Markierung auswerten und den Verkehr in eine der Warteschlangen 0 (niedrigste) bis 7 (höchste) einordnen:

  1. Im Port-Profil (Settings › Profiles › Ethernet Ports › Manual) oder am einzelnen Port QoS aktivieren.
  2. Protokoll wählen, Match Type DSCP und den Wert, z. B. 46.
  3. Optional Remark (neu markieren), sonst bleibt der ursprüngliche Wert erhalten.
  4. Queue zuweisen, z. B. 6 für Sprache.
Verkehr DSCP Queue (Vorschlag)
Sprache (VoIP, Teams Audio) 46 (EF) 6
Video (Teams Video) 34 (AF41) 5
Bildschirmfreigabe 18 (AF21) 3
übriger Verkehr 0 0
  • Für Telefone zusätzlich Voice VLAN und LLDP-MED im Port-Profil nutzen, siehe UniFi: Switch-Ports und Port-Profile konfigurieren.
  • Für AV-Systeme (Dante, Q-SYS, SDVoE) bietet UniFi fertige ProAV-Port-Profile mit passender QoS.
  • Egress Rate Limit im Port-Profil begrenzt die ausgehende Bandbreite eines Ports, z. B. für einen Testplatz.

Schritt 4: WLAN

  • WMM ist auf allen UniFi-APs ab Werk aktiv und bildet DSCP automatisch auf die WLAN-Prioritäten ab – ohne Konfiguration:
WMM-Klasse DSCP-Werte
Voice (AC_VO) 44, 46, 48–63
Video (AC_VI) 24, 26, 28, 30, 32–43, 45, 47
Best Effort (AC_BE) 0–7, 10, 12, 14, 16, 18, 20, 22, 25, 27, 29, 31
Background (AC_BK) 8–9, 11, 13, 15, 17, 19, 21, 23
  • WiFi Speed Limits: Settings › Profiles › WiFi Speed Limits › Profil mit Upload/Download anlegen und in der SSID aktivieren – z. B. für das Gäste-WLAN.

Schritt 5: Verkehr auf einen eigenen Anschluss legen

Bei zwei Internetanschlüssen lässt sich Verkehr gezielt verteilen statt priorisieren – per Policy-Based Route (Policy Table › Create New Policy › Route): z. B. Telefonie über die Glasfaser, Gäste über den DSL-Anschluss. Mit ausgeschaltetem Kill Switch wechselt der Verkehr bei Ausfall auf den anderen Anschluss. Details: UniFi: Hochverfügbarkeit mit Shadow Mode und WAN-Failover.

Kontrolle

  • Vor und nach dem Anlegen von Regeln die Geschwindigkeit messen (Speedtest im Dashboard oder vom Client).
  • Latenz unter Last prüfen: einen großen Upload starten und parallel einen Ping bzw. Teams-Testanruf laufen lassen.
  • Teams- und Telefonanlagen-Berichte (Jitter, Paketverlust) vor und nach der Umstellung vergleichen.

Hinweise

  • Markierung muss ankommen: DSCP-Werte setzen die Endgeräte. Für Teams wird die Markierung unter Windows per Gruppenrichtlinie (QoS-Richtlinie) aktiviert; ohne Markierung helfen nur Regeln nach Anwendung oder Ziel.
  • Internet ignoriert DSCP: Priorisierung wirkt nur im eigenen Netz und an der eigenen Upload-Warteschlange; Provider werten DSCP in der Regel nicht aus.
  • Weniger ist mehr: Wenige, klar benannte Regeln sind wartbar; jede Regel kostet Rechenleistung.
  • Vergleich: Das Gegenstück auf OPNsense ist OPNsense - Traffic Shaper und QoS.
  • Bei der Optimierung von Telefonie, Videokonferenzen und Bandbreite unterstützen Sie die Managed Services von m.a.x. it.

Siehe auch

Links und Quellen


Über m.a.x. it Die m.a.x. Informationstechnologie AG ist seit über 30 Jahren IT-Partner mittelständischer und großer Unternehmen in München und bietet maßgeschneiderte Lösungen und Services in den Bereichen Cloud, Cybersecurity, Netzwerk, Windows, Linux und Softwareentwicklung. Sie haben eine Frage zu diesem Artikel oder brauchen Unterstützung? Kontakt aufnehmen