Vaultwarden: Zwei-Faktor-Anmeldung und SSO mit OpenID Connect

Aus maxTechCorner

Auf einen Blick

Gilt fürVaultwarden 1.37.x; Bitwarden-Clients ab 2026.x; Identitätsanbieter mit OpenID Connect (Microsoft Entra ID, Keycloak, Authentik, Zitadel u. a.)
BereichIT-Security
Dauer2FA je Benutzer ca. 5 Minuten; SSO-Anbindung ca. 1–2 Stunden
RechteBenutzerkonto in Vaultwarden; für SSO zusätzlich Administrator des Identitätsanbieters und Zugriff auf die Vaultwarden-Konfiguration
StandOktober 2026

Zwei-Faktor-Anmeldung in Vaultwarden schützt Tresore davor, dass ein erbeutetes Master-Passwort allein für die Anmeldung reicht. Vaultwarden unterstützt alle gängigen zweiten Faktoren der Bitwarden-Clients – von der Authenticator-App bis zum FIDO2-Sicherheitsschlüssel – und kann sie über eine Organisationsrichtlinie für alle Mitglieder verpflichtend machen. Seit Version 1.35.0 lässt sich außerdem Single Sign-On über OpenID Connect anbinden, sodass sich Mitarbeiter mit ihrem Firmenkonto, z. B. aus Microsoft Entra ID, anmelden. Diese Anleitung zeigt beides und erklärt die Besonderheiten.

Zwei-Faktor-Anmeldung und SSO in Vaultwarden: Faktoren Authenticator-App (TOTP), FIDO2/WebAuthn-Sicherheitsschlüssel und Passkeys als zweiter Faktor, E-Mail-Code, YubiKey OTP und Duo; Wiederherstellungscode offline aufbewahren; Organisationsrichtlinie Zwei-Faktor-Anmeldung erforderlich; SSO mit OpenID Connect: Vaultwarden leitet zur Anmeldung an Entra ID, Keycloak oder Authentik weiter, Rücksprung an /identity/connect/oidc-signin; das Master-Passwort bleibt zum Entschlüsseln des Tresors nötig.

Zwei-Faktor-Methoden in Vaultwarden

Methode Schutz vor Phishing Voraussetzung in Vaultwarden
FIDO2/WebAuthn (Sicherheitsschlüssel wie YubiKey, Nitrokey; Passkeys als zweiter Faktor) hoch – an die Domain gebunden HTTPS mit gültigem Zertifikat, DOMAIN exakt wie im Browser
Authenticator-App (TOTP, z. B. Microsoft Authenticator, Aegis, 2FAS) mittel – Code kann abgefangen werden keine
YubiKey OTP mittel API-Schlüssel von Yubico: YUBICO_CLIENT_ID, YUBICO_SECRET_KEY
Duo (Universal Prompt) je nach Duo-Methode pro Benutzer oder global: DUO_IKEY, DUO_SKEY, DUO_HOST
E-Mail-Code gering – hängt am Mailkonto SMTP konfiguriert

Empfehlung: zwei FIDO2-Schlüssel je Administrator (einer als Reserve), für alle übrigen Mitarbeiter FIDO2 oder eine Authenticator-App. E-Mail nur als Notlösung, vor allem wenn das Mailkonto mit einem Passwort aus demselben Tresor geschützt ist.

Hintergrund zu den Verfahren: Zwei-Faktor-Authentifizierung.

Schritt 1: Zwei-Faktor-Anmeldung als Benutzer einrichten

  1. Im Web-Tresor anmelden, Einstellungen › Sicherheit › Zweistufige Anmeldung öffnen.
  2. Zuerst den Wiederherstellungscode anzeigen und ausgedruckt oder in einem zweiten, unabhängigen Speicher ablegen. Er ist der einzige Weg zurück, wenn alle Faktoren verloren gehen.
  3. Einen Anbieter wählen, mit dem Master-Passwort bestätigen und der Anleitung folgen: QR-Code scannen bzw. Sicherheitsschlüssel antippen.
  4. Nach Möglichkeit einen zweiten Faktor als Ersatz hinterlegen.
  • Meldet sich jemand mit Wiederherstellungscode an, entfernt Bitwarden alle Zwei-Faktor-Methoden des Kontos. Seit 1.37.4 schickt Vaultwarden danach eine eigene Benachrichtigung.
  • Verliert ein Mitarbeiter Faktor und Wiederherstellungscode, kann ein Administrator die Zwei-Faktor-Anmeldung im Admin-Panel unter Users entfernen. Vorher die Identität sicher prüfen (persönlich oder Rückruf), sonst wird das zum Einfallstor.
  • Der in Vaultwarden gespeicherte TOTP-Generator für Einträge im Tresor ist etwas anderes: Er erzeugt Codes für andere Dienste. Den zweiten Faktor für den Tresor selbst nie im selben Tresor speichern.

Schritt 2: Zwei-Faktor-Anmeldung für alle verpflichtend machen

  1. Im Web-Tresor in die Organisation wechseln, Admin-Konsole › Richtlinien.
  2. Richtlinie Zweistufige Anmeldung erforderlich aktivieren.
  • Mitglieder ohne zweiten Faktor verlieren den Zugriff auf die Organisation, bis sie einen eingerichtet haben. Vorher ankündigen und eine Übergangsfrist einplanen.
  • Mit EMAIL_2FA_ENFORCE_ON_VERIFIED_INVITE=true richtet Vaultwarden bei eingeladenen Benutzern mit bestätigter Adresse automatisch E-Mail als zweiten Faktor ein, damit sie die Richtlinie sofort erfüllen. Danach auf eine stärkere Methode wechseln lassen.
  • Mit DISABLE_2FA_REMEMBER=true verlangt Vaultwarden den zweiten Faktor bei jeder Anmeldung, auch wenn Angemeldet bleiben gewählt wurde.

Single Sign-On mit OpenID Connect

So funktioniert SSO bei Vaultwarden:

  • Der Benutzer wählt in der App Single Sign-On verwenden und meldet sich beim Identitätsanbieter an – mit dessen Kennwort, MFA und Richtlinien für bedingten Zugriff.
  • Danach fragt der Client trotzdem das Master-Passwort ab. Es bleibt nötig, um den Tresor zu entschlüsseln. SSO ersetzt nur die Anmeldung, nicht das Zero-Knowledge-Prinzip. Funktionen wie Key Connector oder vertrauenswürdige Geräte aus Bitwarden Enterprise gibt es in Vaultwarden nicht.
  • Vorteil: Wer im Verzeichnis deaktiviert wird, kann sich nicht mehr neu anmelden. Bereits geöffnete und offline zwischengespeicherte Tresore bleiben aber lesbar, bis die Sitzung abläuft. Deshalb gehört das Sperren in Vaultwarden selbst zum Offboarding, siehe Vaultwarden: Organisationen, Sammlungen und Benutzerverwaltung.

Schritt 3: App im Identitätsanbieter registrieren (Beispiel Entra ID)

  1. Im Microsoft Entra Admin Center unter App-Registrierungen eine neue Registrierung anlegen.
  2. Unter Authentifizierung als Umleitungs-URI vom Typ Web eintragen: https://vault.firma.de/identity/connect/oidc-signin
  3. Unter Zertifikate & Geheimnisse einen geheimen Clientschlüssel erstellen und den Wert notieren; Ablaufdatum im Kalender vermerken.
  4. Unter API-Berechtigungen sicherstellen, dass openid, profile, email und offline_access vorhanden sind. Ohne offline_access gibt es kein Refresh-Token und die Sitzung endet nach Ablauf des Zugriffstokens.
  5. Optional unter Unternehmensanwendungen › Eigenschaften Zuweisung erforderlich aktivieren und nur eine Gruppe zuweisen.

Schritt 4: Vaultwarden konfigurieren

      SSO_ENABLED: "true"
      SSO_AUTHORITY: https://login.microsoftonline.com/<Verzeichnis-ID>/v2.0
      SSO_SCOPES: "openid profile offline_access User.Read"
      SSO_CLIENT_ID: <Anwendungs-ID>
      SSO_CLIENT_SECRET: ${VW_SSO_SECRET}
      SSO_SIGNUPS_MATCH_EMAIL: "true"
      SSO_ONLY: "false"
Einstellung Bedeutung Empfehlung
SSO_AUTHORITY Basisadresse des Anbieters ohne /.well-known/openid-configuration; muss exakt dem Feld issuer entsprechen Wert aus der Discovery-Antwort übernehmen
SSO_ONLY verbietet die Anmeldung nur mit E-Mail und Master-Passwort erst nach erfolgreicher Umstellung aller Benutzer
SSO_SIGNUPS_ALLOWED (ab 1.37.3) SSO darf neue Konten anlegen false, wenn nur eingeladene Benutzer Zugang erhalten sollen
SSO_SIGNUPS_MATCH_EMAIL verknüpft beim ersten SSO-Login ein bestehendes Konto mit gleicher E-Mail für die Umstellung bestehender Konten true
SSO_ALLOW_UNKNOWN_EMAIL_VERIFICATION akzeptiert Anbieter ohne Angabe email_verified false lassen; zusammen mit Match-E-Mail droht Kontoübernahme
SSO_MASTER_PASSWORD_POLICY Master-Passwort-Regeln für SSO-Konten, z. B. {"minLength":14,"minComplexity":3} setzen
SSO_PKCE PKCE im Code-Flow Standard true lassen
  • Die Rücksprungadresse bildet Vaultwarden selbst aus DOMAIN.
  • Der Anzeigename kommt aus dem Claim preferred_username.
  • Vaultwarden speichert die Zuordnung zum Anbieter (iss/sub) separat. Ändert sich später der Anbieter, muss diese Zuordnung zurückgesetzt werden.
  • Keycloak und Authentik: Das Zugriffstoken muss länger als 5 Minuten gelten (z. B. 10 Minuten), sonst kollidiert es mit der Ablaufprüfung der Clients; Scope offline_access ergänzen. Bei Authentik endet SSO_AUTHORITY mit einem Schrägstrich.

Schritt 5: Testen und umstellen

  1. Mit einem Testkonto im Web-Tresor Single Sign-On verwenden wählen.
  2. Im Log prüfen, ob die Anmeldung ohne Fehler durchläuft; bei Problemen vorübergehend LOG_LEVEL=info,vaultwarden::sso=debug.
  3. Browser-Erweiterung, Desktop-App und Smartphone testen. Die Desktop-App öffnet für SSO den Browser und erwartet den Rücksprung über das Protokoll bitwarden://; unter Linux mit Firefox braucht das zusätzliche Einstellungen.
  4. Benutzer informieren und erst danach gegebenenfalls SSO_ONLY=true setzen.

Hinweise

  • Zwei-Faktor und SSO kombinieren: Bei SSO greift die MFA des Identitätsanbieters. Ob zusätzlich die Zwei-Faktor-Anmeldung von Vaultwarden verlangt wird, bewusst entscheiden und testen.
  • Login mit Passkeys statt Master-Passwort unterstützt Vaultwarden noch nicht. Passkeys funktionieren aber als zweiter Faktor (FIDO2) und können im Tresor für andere Websites gespeichert werden.
  • Notfallkonten: Mindestens ein Administratorkonto behält Master-Passwort-Anmeldung mit FIDO2, damit ein Ausfall des Identitätsanbieters nicht alle aussperrt – mit SSO_ONLY=true ist das nicht möglich, dann ist der Rückweg das Umstellen der Konfiguration.
  • Bei der Einführung von Mehr-Faktor-Authentifizierung und Single Sign-On unterstützt Sie das Team Cybersecurity von m.a.x. it.

Siehe auch

Links und Quellen


Über m.a.x. it Die m.a.x. Informationstechnologie AG ist seit über 30 Jahren IT-Partner mittelständischer und großer Unternehmen in München und bietet maßgeschneiderte Lösungen und Services in den Bereichen Cloud, Cybersecurity, Netzwerk, Windows, Linux und Softwareentwicklung. Sie haben eine Frage zu diesem Artikel oder brauchen Unterstützung? Kontakt aufnehmen