IPv6 unter Linux deaktivieren

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Auf einen Blick

Gilt fürDebian 12/13, Ubuntu 24.04/26.04 LTS, Red Hat Enterprise Linux 9/10 und kompatible (Rocky, Alma); systemd, NetworkManager, GRUB
BereichClient-Software
Dauerca. 10 Minuten
Rechteroot bzw. sudo
StandOktober 2026

IPv6 unter Linux deaktivieren lässt sich auf drei Wegen: per sysctl für das ganze System oder einzelne Netzwerkkarten, per NetworkManager für eine Verbindung oder vollständig über einen Kernel-Parameter beim Start. Diese Anleitung zeigt alle Varianten für aktuelle Distributionen, erklärt die Nebenwirkungen und wie Sie die Änderung prüfen und rückgängig machen.

IPv6 unter Linux deaktivieren: Variante 1 per sysctl-Datei in /etc/sysctl.d für alle oder einzelne Schnittstellen, Variante 2 per NetworkManager mit ipv6.method disabled für eine Verbindung, Variante 3 per Kernel-Parameter ipv6.disable=1 in GRUB für das gesamte System; oft besser: IPv4 bevorzugen über /etc/gai.conf. Prüfen mit ip -6 addr. Seit Debian 13 wird /etc/sysctl.conf nicht mehr gelesen.


HinweisIPv6 pauschal abzuschalten wird heute nur noch selten empfohlen: Viele Dienste und Programme erwarten einen funktionierenden IPv6-Stack, und Internetanschlüsse arbeiten zunehmend mit IPv6. Deaktivieren Sie IPv6 gezielt, wenn es nachweislich Probleme verursacht – etwa Verzögerungen bei Verbindungen, weil ein Programm zuerst eine nicht erreichbare IPv6-Adresse versucht, oder wenn eine Sicherheitsvorgabe es verlangt.

Vorher prüfen: Ist IPv6 aktiv?

ip -6 addr show
sysctl net.ipv6.conf.all.disable_ipv6

Zeigt ip -6 addr Adressen mit inet6 an und liefert sysctl den Wert 0, ist IPv6 aktiv.


TippGeht es nur darum, dass Verbindungen bevorzugt über IPv4 aufgebaut werden, reicht oft eine Zeile in /etc/gai.conf: precedence ::ffff:0:0/96 100. IPv6 bleibt dann verfügbar, Programme verwenden aber zuerst IPv4-Adressen.

Variante 1: IPv6 per sysctl deaktivieren (empfohlen)

Legen Sie eine eigene Konfigurationsdatei unter /etc/sysctl.d/ an:

sudo nano /etc/sysctl.d/90-ipv6-deaktivieren.conf

Inhalt:

net.ipv6.conf.all.disable_ipv6 = 1
net.ipv6.conf.default.disable_ipv6 = 1
net.ipv6.conf.lo.disable_ipv6 = 1

Einstellungen ohne Neustart übernehmen:

sudo sysctl --system
  • all wirkt auf alle vorhandenen Schnittstellen, default auf später hinzukommende (z. B. VPN- oder Bridge-Schnittstellen), lo auf die Loopback-Schnittstelle (::1).
  • Nur eine Netzwerkkarte: Statt der drei Zeilen nur die Schnittstelle eintragen, z. B. net.ipv6.conf.enp1s0.disable_ipv6 = 1 (Namen mit ip link ermitteln).


WarnungDebian 13 liest /etc/sysctl.conf nicht mehr. Anleitungen, die die Zeilen an das Ende von /etc/sysctl.conf anhängen, wirken dort nach dem nächsten Neustart nicht mehr. Verwenden Sie immer eine eigene Datei unter /etc/sysctl.d/ – das funktioniert auf allen aktuellen Distributionen.

Variante 2: IPv6 für eine Verbindung im NetworkManager abschalten

Auf Desktops sowie unter RHEL, Rocky und Alma verwaltet der NetworkManager die Netzwerkverbindungen. Hier wird IPv6 je Verbindung deaktiviert; Red Hat empfiehlt diesen Weg:

# Verbindungen anzeigen
nmcli connection show
# IPv6 für die Verbindung abschalten und Verbindung neu aktivieren
sudo nmcli connection modify "Kabelgebundene Verbindung 1" ipv6.method disabled
sudo nmcli connection up "Kabelgebundene Verbindung 1"

Grafisch geht das über Einstellungen → Netzwerk → Verbindung → IPv6 → Deaktiviert.

Variante 3: IPv6 per Kernel-Parameter vollständig deaktivieren

Mit dem Startparameter ipv6.disable=1 lädt der Kernel IPv6 gar nicht erst. Das ist die gründlichste, aber auch die folgenreichste Variante.

Debian und Ubuntu: In /etc/default/grub den Parameter ergänzen

GRUB_CMDLINE_LINUX="ipv6.disable=1"

(vorhandene Werte in den Anführungszeichen behalten und mit Leerzeichen trennen), danach:

sudo update-grub
sudo reboot

RHEL, Rocky, Alma:

sudo grubby --update-kernel=ALL --args="ipv6.disable=1"
sudo reboot

Ergebnis prüfen

ip -6 addr show
cat /proc/sys/net/ipv6/conf/all/disable_ipv6
  • Bei Variante 1 und 2 liefert ip -6 addr keine Adressen mehr (bei Variante 2 nur für die betroffene Verbindung) und die Datei enthält 1.
  • Bei Variante 3 existiert das Verzeichnis /proc/sys/net/ipv6 nicht mehr – auch das bestätigt die Deaktivierung.

Nebenwirkungen beachten

  • SSH: Ist ::1 deaktiviert, kann sshd beim X11-Forwarding keinen lokalen Socket öffnen. Abhilfe: AddressFamily inet in /etc/ssh/sshd_config.
  • Postfix: meldet Fehler, wenn inet_protocols = all gesetzt ist; auf ipv4 umstellen.
  • Webserver und Dienste: Konfigurationen mit IPv6-Listenern (z. B. listen [::]:80; bei nginx) starten bei Variante 3 nicht mehr, weil der Kernel keine IPv6-Sockets mehr anlegen kann. Solche Zeilen entfernen.
  • Container, Virtualisierung und VPN: Docker, Podman, Kubernetes oder WireGuard-Konfigurationen mit IPv6-Adressen müssen angepasst werden.

Rückgängig machen

  • Variante 1: Datei /etc/sysctl.d/90-ipv6-deaktivieren.conf löschen und neu starten (oder die Werte mit sudo sysctl -w net.ipv6.conf.all.disable_ipv6=0 sofort zurücksetzen).
  • Variante 2: sudo nmcli connection modify "…" ipv6.method auto und die Verbindung neu aktivieren.
  • Variante 3: Parameter aus /etc/default/grub entfernen und sudo update-grub bzw. sudo grubby --update-kernel=ALL --remove-args="ipv6.disable=1" ausführen, danach neu starten.

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Siehe auch

Links und Quellen


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