Proxmox VE: Migration von VMware ESXi

Aus maxTechCorner

Auf einen Blick

Gilt fürProxmox VE 9.2 als Ziel; Quelle VMware ESXi 6.5 bis 8.0 (einzelner Host oder über vCenter); Windows- und Linux-Gäste
BereichServer-Software
DauerPilot-VM ca. 2 Stunden; je weitere VM 15 Minuten bis mehrere Stunden, abhängig von der Datenmenge
Rechteroot@pam auf Proxmox VE, Administratorkonto auf dem ESXi-Host, lokale Administratorrechte im Gast
StandOktober 2026

VMware ESXi nach Proxmox migrieren gelingt mit dem integrierten Import-Assistenten von Proxmox VE meist ohne Zusatzwerkzeuge und mit kurzer Ausfallzeit. Diese Anleitung zeigt die Vorbereitung von Windows- und Linux-Gästen, den Import über den Storage-Typ ESXi inklusive Live-Import, die Umstellung von Netzwerk- und Festplattencontroller sowie Alternativen über OVF und qm disk import – mit einem Ablaufplan, der mit einer Test-Migration beginnt.

Migration von VMware ESXi zu Proxmox VE: Bestandsaufnahme, VirtIO-Treiber im Gast, Entfernen der VMware Tools und eine Test-Migration bereiten den Import vor. Der ESXi-Import-Assistent liest die VMs über den Storage-Typ ESXi; danach folgen Umstellung auf VirtIO SCSI und VirtIO-Netzwerk, QEMU Guest Agent, Abnahme und Rückbau.

Gründe und Planung

Nach der Übernahme von VMware durch Broadcom wurden unbefristete Lizenzen abgeschafft und das Angebot auf kernbasierte Abonnements in wenigen Paketen umgestellt. Für viele KMU sind die laufenden Kosten dadurch spürbar gestiegen, und kleinere Editionen sind entfallen. Proxmox VE ist quelloffen, kostet nur die optionale Subskription pro CPU-Sockel und deckt die typischen Anforderungen kleiner und mittlerer Umgebungen ab – Live-Migration, Hochverfügbarkeit, Snapshots, Replikation und integrierte Backups.

VMware Proxmox VE
ESXi-Host / vCenter Knoten / Datacenter-Ansicht, für mehrere Cluster Proxmox Datacenter Manager
Datastore (VMFS, NFS, vSAN) Storage (ZFS, LVM-Thin, NFS, Ceph)
vSwitch, Portgruppe mit VLAN Linux-Bridge (z. B. vmbr0), VLAN-Tag an der VM-Netzwerkkarte
vMotion / vSphere HA Live-Migration / HA-Manager
VMware Tools VirtIO-Treiber und QEMU Guest Agent
PVSCSI, VMXNET3 VirtIO SCSI single, VirtIO-Netzwerk
VMDK raw, qcow2 oder ZFS-/LVM-Volume

Vor der Migration eine Bestandsaufnahme erstellen: VMs mit Betriebssystem, Firmware (BIOS oder UEFI), Anzahl und Größe der Festplatten, Netzwerke/VLANs, Snapshots, vTPM und Verschlüsselung, Abhängigkeiten und mögliche Wartungsfenster. Das Zielsystem sollte fertig eingerichtet sein, siehe Proxmox VE: Installation und Grundkonfiguration und Proxmox VE: Netzwerk mit Bridges, VLANs, Bonds und SDN.

Grenzen der Quelle

  • Getestet ist der Import von ESXi 6.5 bis 8.0. Der Weg über vCenter ist möglich, laut Admin-Handbuch aber 5- bis 10-mal langsamer – besser direkt den ESXi-Host angeben.
  • Festplatten auf vSAN lassen sich nicht importieren; vorher auf einen anderen Datastore verschieben.
  • Verschlüsselte Festplatten (Speicherrichtlinie mit Verschlüsselung) gehen nicht; Richtlinie vorher entfernen.
  • VMs mit Snapshots importieren deutlich langsamer – Snapshots vorher konsolidieren.
  • Datastore-Namen mit Sonderzeichen wie + können scheitern; dann den Datastore umbenennen.
  • Der vTPM-Zustand lässt sich nicht übernehmen. BitLocker oder eine andere Vollverschlüsselung, deren Schlüssel im vTPM liegt, vorher deaktivieren und Wiederherstellungsschlüssel bereithalten.

Gäste vorbereiten: VirtIO-Treiber und VMware Tools

Windows

  1. VirtIO-Treiber vorab installieren: Das Paket virtio-win (ISO mit Installer virtio-win-guest-tools.exe) noch unter VMware im Gast ausführen. Es bringt die Treiber für VirtIO SCSI, Netzwerk und Ballooning sowie den QEMU Guest Agent mit.
  2. Netzwerkkonfiguration notieren (IP, Maske, Gateway, DNS) – die Netzwerkkarte wird neu erkannt, und Windows warnt sonst vor einer doppelt vergebenen Adresse an der „unsichtbaren“ alten Karte. Bei DHCP-Reservierungen die neue MAC-Adresse eintragen oder die alte MAC an der Ziel-VM setzen.
  3. VMware Tools deinstallieren – vor der Migration, denn danach lässt sich das Setup ohne VMware-Umgebung nur noch mühsam entfernen.
  4. Gast herunterfahren (nicht anhalten), damit das Dateisystem konsistent ist.

Linux

Linux bringt die VirtIO-Treiber im Kernel mit. Zu prüfen ist, ob sie im initramfs enthalten sind – bei Distributionen mit schlankem, hostspezifischem initramfs (z. B. RHEL-Familie) sonst ergänzen:

lsinitrd | grep -i virtio                    # RHEL-Familie
dracut -f --add-drivers "virtio_scsi virtio_blk virtio_pci virtio_net"
apt remove open-vm-tools                     # Debian/Ubuntu; RHEL: dnf remove open-vm-tools

Feste Netzwerkkonfigurationen beziehen sich oft auf den Schnittstellennamen (z. B. ens192); nach der Migration heißt die Karte meist anders. Die Konfiguration nach dem ersten Start anpassen oder vorher auf MAC-unabhängige Zuordnung umstellen.

VMware nach Proxmox migrieren mit dem ESXi-Import-Assistenten

Proxmox VE bringt seit 8.2 einen integrierten Import-Assistenten mit; das Admin-Handbuch führt ihn formal noch als Technology Preview, er arbeitet aber stabil.

  1. Datacenter › Storage › Add › ESXi: ID, Adresse des ESXi-Hosts sowie Benutzer und Passwort eines Administratorkontos eintragen. Bei selbstsigniertem Zertifikat Skip Certificate Verification aktivieren oder die CA im Vertrauensspeicher hinterlegen.
  2. Das neue Storage im Ressourcenbaum auswählen; der Reiter Virtual Guests listet alle importierbaren VMs.
  3. VM markieren und Import wählen. Mindestens Ziel-Storage und Bridge festlegen; VM-ID, Name, CPU und RAM werden aus der Quelle übernommen.
  4. Im Reiter Advanced je Festplatte das Ziel-Storage wählen, das Netzwerkkartenmodell und die Bridge setzen, ein neues ISO für das CD-Laufwerk einhängen oder einzelne Laufwerke und Karten auslassen. Resulting Config zeigt die entstehende Konfiguration.
  5. Import starten; der Fortschritt erscheint im Task-Log.

Live-Import

Mit der Option für den Live-Import startet die VM bereits während des Imports; die Festplattendaten werden im Hintergrund nachgeladen. Die Quell-VM ist dabei ausgeschaltet, eine kurze Ausfallzeit bleibt also. Anfangs ist die I/O-Leistung reduziert. Scheitert der Import, gehen alle seit dem Start geschriebenen Daten verloren – Live-Import zuerst mit einer unkritischen VM erproben und nur nutzen, wenn die Verbindung zwischen den Hosts stabil ist.

Viele VMs migrieren

  • Importe möglichst nacheinander ausführen: Die ESXi-API erlaubt nur wenige Verbindungen, Überlast kann live importierte Gäste hängen lassen. Der Dienst esxi-folder-fuse begrenzt auf vier parallele Verbindungen; mehr als etwa vier Festplatten gleichzeitig vermeiden.
  • Jede importierte Festplatte belegt einen Lesecache von 8 × 128 MiB – viele parallele Importe können den Arbeitsspeicher des Ziels erschöpfen.
  • Bei Fehlern 503 kann das Sitzungslimit auf ESXi angehoben werden (ESXi 7.0: Config.HostAgent.vmacore.soap.maxSessionCount).

Nach dem Import: Controller, Netzwerk und Einstellungen

Windows startet nur von einem Controller, dessen Treiber im Boot-Pfad geladen wird. Ist der VirtIO-SCSI-Treiber nicht sicher aktiv, die Systemplatte zunächst an SATA (oder IDE) betreiben – das funktioniert ohne Zusatztreiber:

  1. VM ausgeschaltet: Festplatte unter Hardware mit Detach lösen (sie erscheint als Unused Disk), per Doppelklick als SATA wieder anhängen und unter Options › Boot Order als Startlaufwerk aktivieren.
  2. Zusätzlich eine kleine Hilfsplatte (1 GB) am Controller VirtIO SCSI single anlegen und Windows starten. Windows lädt so den VirtIO-SCSI-Treiber; in der Datenträgerverwaltung muss die Hilfsplatte erscheinen.
  3. Herunterfahren, Hilfsplatte entfernen, Systemplatte lösen und als SCSI anhängen, Boot-Reihenfolge anpassen, starten.

Danach die Zielkonfiguration nach den Empfehlungen aus dem Proxmox-Wiki setzen:

Einstellung Empfehlung
CPU-Typ host nur bei identischen CPUs im Cluster, sonst ein generisches Modell wie x86-64-v2-AES oder höher
Festplatten Bus SCSI, Controller VirtIO SCSI single, Discard und IO thread aktiv
Netzwerk Modell VirtIO (paravirtualisiert); VLAN-Tag an der Karte statt eigener Portgruppe
Arbeitsspeicher Ballooning-Gerät aktiv lassen – es liefert auch genaue Speicherwerte
Firmware SeaBIOS für BIOS-Gäste, OVMF (UEFI) mit EFI-Disk für UEFI-Gäste; ggf. Booteintrag im UEFI-Menü anlegen
Gastagent QEMU Guest Agent installieren und unter Options aktivieren
qm set 120 --cpu x86-64-v2-AES --scsihw virtio-scsi-single --agent enabled=1

Im Gast anschließend die neue Netzwerkkarte konfigurieren, Funktion der Anwendungen prüfen und nicht mehr vorhandene Geräte entfernen. Weitere Details zu Windows-Gästen, TPM und Secure Boot stehen in Proxmox VE: Windows-VMs mit VirtIO, TPM und Secure Boot.

Alternativen: OVF, qm importovf und qm disk import

Wenn der Assistent nicht passt – etwa bei sehr alten ESXi-Versionen oder ohne Netzwerkverbindung zwischen den Systemen – helfen diese Wege:

Methode Vorgehen Einsatz
OVA/OVF in der Weboberfläche Datei auf ein dateibasiertes Storage mit Inhaltstyp Import legen bzw. hochladen, dann über den Import-Assistenten einlesen Exporte, Appliances
qm importovf Export mit VMware ovftool, Import auf der Kommandozeile Skripte, viele VMs
qm disk import VMDK einer vorhandenen VM als Festplatte hinzufügen einzelne Platten
Platte anhängen und verschieben VMDK auf gemeinsamer Freigabe einbinden, VM in Proxmox starten, Platte im Betrieb verschieben minimale Ausfallzeit
Backup/Restore oder Klonen Wiederherstellung aus der Backup-Software oder Klonen mit einem Live-Medium Sonderfälle
# OVF-Export vom ESXi-Host und Import (VM-ID 120, Ziel local-zfs)
./ovftool vi://root@esxi01.firma.lan/Server /mnt/export/
qm importovf 120 /mnt/export/Server/Server.ovf local-zfs
# auf dateibasiertem Storage optional: --format qcow2

# Einzelne VMDK in vorhandene VM 121 importieren
qm disk import 121 /mnt/export/Server.vmdk local-zfs

qm importovf legt keine Netzwerkkarte an – sie wird anschließend hinzugefügt. Eine mit qm disk import eingelesene Festplatte erscheint als Unused Disk und muss an einen Bus angehängt und als Startlaufwerk gesetzt werden. Beim Weg „Platte anhängen und verschieben“ gilt: Die VM niemals gleichzeitig unter VMware und Proxmox VE starten – das zerstört die Festplatte.

Ablaufplan mit Test-Migration

  1. Bestandsaufnahme und Priorisierung: unkritische VMs zuerst, Datenbank- und Domänencontroller zuletzt.
  2. Zielsystem fertigstellen: Storage, Bridges/VLANs, Backup auf Proxmox Backup Server, Benachrichtigungen.
  3. Test-Migration einer typischen Windows- und einer Linux-VM als Kopie (Klon oder Wiederherstellung in isoliertem Netz); Laufzeit messen, Treiberumstellung üben, Anwendungen prüfen.
  4. Migrationsplan mit Wartungsfenstern, Ansprechpartnern der Fachbereiche und Rückfallweg: Die Quell-VM bleibt ausgeschaltet, aber unverändert unter VMware erhalten.
  5. Migration je VM: aktuelles Backup, VirtIO-Treiber installiert, VMware Tools entfernt, herunterfahren, importieren, Controller und Netzwerk umstellen, Funktionstest durch den Fachbereich.
  6. Nacharbeiten: Backup-Job in Proxmox VE einrichten und eine Rücksicherung testen, Überwachung anpassen, Dokumentation aktualisieren.
  7. Rückbau: Quell-VMs erst nach einer vereinbarten Frist löschen, ESXi-Storage aus Proxmox VE entfernen, VMware-Lizenzen und -Supportverträge kündigen.

Hinweise

  • Lizenzen im Gast: Windows und manche Anwendungen erkennen die geänderte Hardware und verlangen eine erneute Aktivierung; Lizenzbedingungen für Virtualisierung vorher prüfen.
  • Zeitbedarf: Die Übertragung läuft über das Verwaltungsnetz des ESXi-Hosts – bei großen Datenmengen eine schnelle Verbindung einplanen und den Durchsatz in der Test-Migration messen.
  • Backup-Software: Viele Produkte sichern Proxmox VE inzwischen agentenlos; der Proxmox Backup Server ist die naheliegende Alternative, siehe Proxmox Backup Server: Einrichtung und Backup-Strategie.
  • Bei Planung und Durchführung des Umstiegs von VMware unterstützen Sie die Proxmox-Leistungen von m.a.x. it.

Siehe auch

Links und Quellen


Über m.a.x. it Die m.a.x. Informationstechnologie AG ist seit über 30 Jahren IT-Partner mittelständischer und großer Unternehmen in München und bietet maßgeschneiderte Lösungen und Services in den Bereichen Cloud, Cybersecurity, Netzwerk, Windows, Linux und Softwareentwicklung. Sie haben eine Frage zu diesem Artikel oder brauchen Unterstützung? Kontakt aufnehmen