UniFi: Migration von anderen Herstellern

Aus maxTechCorner

Auf einen Blick

Gilt fürUmstieg von Netzen mit Fritz!Box, Lancom, Cisco, HPE Aruba, Sophos, OPNsense u. a. auf UniFi (UniFi Network 10.x)
BereichNetzwerk-Hardware
DauerPlanung 1–3 Tage, Umstellung je Standort meist ein Wartungsfenster (4–8 Stunden)
RechteAdministrator der bisherigen Systeme und von UniFi Network
StandOktober 2026

Die Migration auf UniFi – also der Umstieg eines bestehenden Netzes mit Router, Firewall, Switches und WLAN anderer Hersteller auf Ubiquiti UniFi – gelingt dann reibungslos, wenn vorher vollständig erfasst ist, was das alte Netz eigentlich alles tut. Dieser Leitfaden zeigt die Bestandsaufnahme, die Übersetzung typischer Funktionen in UniFi-Begriffe, die drei Migrationsvarianten, die Vorbereitung des neuen Systems, die Umstellung im Wartungsfenster und die Abnahme. Er bündelt die Erfahrungen aus Umstellungen kleiner und mittlerer Standorte und verweist für die Details auf die übrigen Artikel der Reihe.

Migration auf UniFi in sechs Phasen: Bestandsaufnahme (VLANs, IP-Plan, Firewall, VPN, WLAN, Ports), Zielbild und Abbildung der Funktionen, Wahl der Variante (Komplettumstieg, UniFi hinter bestehender Firewall, schrittweise), Vorbereitung im Labor, Umstellung im Wartungsfenster vom Gateway bis zu den Access Points, Test, Abnahme und Rückfallplan.

Phase 1: Bestandsaufnahme

Alles, was nicht erfasst ist, fehlt nach der Umstellung. Checkliste:

Bereich Was erfassen?
Internet Anschlüsse, Zugangsart (PPPoE, VLAN-ID, feste IPs), Provider-Router, Failover
Netze VLAN-IDs, Subnetze, Gateway-Adressen, DHCP-Bereiche und -Optionen (z. B. 43, 66/67 für Telefone), Reservierungen
Feste Adressen Server, Drucker, Kameras, Gebäudetechnik – mit Ansprechpartner
Firewall Regeln zwischen Netzen und ins Internet, Portweiterleitungen, Geo-Sperren, IPS-Ausnahmen
VPN Standortverbindungen (Gegenstellen, Parameter), Client-VPN (Benutzer, Verfahren, MFA)
WLAN SSIDs, Passwörter bzw. RADIUS, VLAN-Zuordnung, Gäste-Portal, Ausleuchtung
Switches Portbelegung, Trunks, LACP-Bündel, Voice VLAN, PoE-Bedarf, Port-Security/802.1X, STP-Root
Dienste DNS-Einträge und Weiterleitungen, NTP, Syslog/SIEM, SNMP-Monitoring, mDNS/AirPlay, IPTV/Multicast
Verträge laufende Lizenzen und Supportverträge der Altgeräte, Kündigungsfristen

Hilfreich: Konfigurationen der Altgeräte exportieren (bei Cisco show running-config, bei Fritz!Box die Sicherungsdatei, bei Firewalls den Regel-Export) und die MAC-Adresstabellen der Switches sichern – sie zeigen, welches Gerät an welchem Port hängt.

Phase 2: Funktionen übersetzen

Bisher in UniFi Artikel
VLANs, DHCP-Bereiche Virtual Networks UniFi: VLANs einrichten
Access-/Trunk-Ports, Portvorlagen Native/Tagged VLAN, Ethernet-Port-Profile UniFi: Switch-Ports und Port-Profile konfigurieren
Rapid PVST+ / MSTP RSTP (ein gemeinsamer Baum) UniFi: Spanning Tree und Loop-Schutz
EtherChannel / LAG (LACP) Aggregate (nur LACP) UniFi: Switch-Ports und Port-Profile konfigurieren
Port-Security, 802.1X MAC-Beschränkung, 802.1X Control, RADIUS UniFi: 802.1X und RADIUS einrichten
Firewall-Regeln, Objekte Zone-Based Firewall, Netzwerklisten UniFi: Zone-Based Firewall konfigurieren
Portweiterleitungen, 1:1-NAT Port Forwarding, DNAT/SNAT UniFi: Portweiterleitung und NAT konfigurieren
IPsec-Standortverbindungen IPsec bzw. SD-WAN UniFi: Standorte per Site-to-Site-VPN verbinden
SSL-/Client-VPN WireGuard, OpenVPN, Teleport, Identity UniFi: VPN für den Fernzugriff einrichten
WLAN-Controller, Gäste-Portal UniFi-SSIDs, Hotspot-Portal UniFi: WLAN einrichten und optimieren
IPS, Webfilter IDS/IPS, Content Filter, CyberSecure UniFi: IDS/IPS und CyberSecure einrichten
Syslog, SNMP CEF-Export, SNMP v3 UniFi: Syslog, SIEM und SNMP anbinden

Lücken bewusst prüfen. Typische Punkte, die sich nicht 1:1 übertragen lassen:

  • Konfiguration nur über UniFi Network, keine Kommandozeile; Skripte und Vorlagen für die CLI entfallen.
  • Spanning Tree pro VLAN gibt es nicht – Designs, die auf unterschiedliche Root-Bridges je VLAN setzen, müssen vereinfacht werden.
  • Firewall-Funktionen spezialisierter Produkte (SSL-Inspection in großem Umfang, Reverse-Proxy, Mailfilter, ausgefeilte Benutzerregeln) haben kein vollständiges Gegenstück.
  • Dynamische Routingprotokolle und Sonderfunktionen (z. B. SIP-ALG-Verhalten, IPTV) vor der Entscheidung testen.

Phase 3: Variante wählen

Variante Beschreibung geeignet, wenn
A: Komplettumstieg Gateway, Switches und APs werden durch UniFi ersetzt kleine/mittlere Standorte ohne Spezialanforderungen an die Firewall
B: UniFi hinter bestehender Firewall Firewall (z. B. OPNsense, Sophos, FortiGate) bleibt; UniFi-Switches und -APs werden über CloudKey oder UniFi OS Server verwaltet; Netze als Third-party Gateway angelegt Firewall erfüllt Anforderungen, die UniFi nicht abdeckt; Firewall-Vertrag läuft noch
C: Schrittweise erst WLAN, dann Switches, zuletzt das Gateway – jeweils in eigenen Wartungsfenstern größere Standorte, wenig Ausfallzeit pro Schritt, Team lernt UniFi schrittweise kennen

Bei Variante B und C laufen eine Zeit lang UniFi- und Fremdgeräte nebeneinander: Native VLAN und erlaubte VLANs müssen an jeder Verbindung auf beiden Seiten übereinstimmen. Beim Mischbetrieb mit Cisco-Switches (Rapid PVST+) die Root-Bridge eindeutig festlegen und an den Übergängen besonders sorgfältig prüfen.

Phase 4: Vorbereitung

  1. Gateway im Labor einrichten: Besitzerkonto, Internet, Netze, Firewall, VPN, DNS – siehe UniFi: Cloud Gateway einrichten. Updates vorab einspielen.
  2. Port-Profile für alle Gerätearten anlegen; die Portbelegung der Altswitches in eine Tabelle „alter Port → neuer Switch/Port → Profil“ übertragen.
  3. Switches und APs vorab adoptieren (im Labor oder per Zero-Touch Provisioning) und mit Namen versehen, siehe UniFi: Geräte adoptieren und zurücksetzen.
  4. SSIDs mit gleichem Namen und Passwort wie bisher anlegen: Clients verbinden sich nach dem Tausch der Access Points meist von selbst neu. Einen Wechsel der Sicherheit (z. B. auf WPA3 oder Enterprise) als eigenen späteren Schritt planen.
  5. Adressen beibehalten: Gateway-IP, Subnetze und DHCP-Reservierungen wie bisher, sonst müssen fest konfigurierte Geräte angepasst werden.
  6. Externe Abhängigkeiten: feste IP beim Provider, DNS-Einträge für VPN-Namen, Gegenstellen von Site-to-Site-VPNs (neue Parameter rechtzeitig abstimmen), Freigaben bei Cloud-Diensten, die nach IP filtern.
  7. Rückfallplan: Altgeräte samt Konfiguration aufbewahren und beschriften; festlegen, ab welchem Zeitpunkt zurückgebaut wird.

Phase 5: Umstellung im Wartungsfenster

Bewährte Reihenfolge für Variante A:

  1. Benutzer informieren, laufende Backups/Jobs pausieren.
  2. Gateway tauschen: WAN anschließen, Internet und VPN prüfen.
  3. Core-Switch tauschen, Uplinks und Server umstecken.
  4. Access-Switches nach der Port-Tabelle umstecken, jeweils kurz prüfen (Geräte bekommen Adressen, Telefone registrieren sich).
  5. Access Points tauschen und Funkabdeckung stichprobenartig messen.
  6. Sonderfälle: Drucker, Kameras, Gebäudetechnik, Kassensysteme, Zeiterfassung.

Nach jedem Schritt erst weitermachen, wenn der vorige funktioniert – so bleibt die Fehlersuche überschaubar.

Phase 6: Test, Abnahme und Rückbau

Test erwartet
Internet aus jedem Netz, DNS intern und extern funktioniert
Trennung der Netze (Gäste, IoT → Firmennetz) blockiert
Telefonie (intern, extern, Sprachqualität) stabil
VPN: Standortverbindungen und Client-VPN verbunden, Zugriffe wie vorher
Portweiterleitungen von außen erreichbar wie vorher
WLAN: Anmeldung, Roaming, Gäste-Portal funktioniert
Drucken, Scannen, AirPlay über VLANs funktioniert (mDNS)
Monitoring, Syslog, Backups der Konfiguration laufen
  • Abnahme mit den Fachabteilungen dokumentieren; offene Punkte mit Termin festhalten.
  • Netzdokumentation aktualisieren: Topologie, Adressplan, Port-Tabelle, Zugangsdaten im Passwort-Tresor.
  • Altgeräte erst nach einer vereinbarten Frist (z. B. zwei Wochen) zurückbauen; vor Entsorgung auf Werkseinstellungen zurücksetzen und Datenträger sicher löschen.

Hinweise

Siehe auch

Links und Quellen


Über m.a.x. it Die m.a.x. Informationstechnologie AG ist seit über 30 Jahren IT-Partner mittelständischer und großer Unternehmen in München und bietet maßgeschneiderte Lösungen und Services in den Bereichen Cloud, Cybersecurity, Netzwerk, Windows, Linux und Softwareentwicklung. Sie haben eine Frage zu diesem Artikel oder brauchen Unterstützung? Kontakt aufnehmen