Cisco Catalyst 2960-X: Spanning Tree (Rapid PVST+) konfigurieren

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Auf einen Blick

Gilt fürCisco Catalyst 2960-X/2960-XR mit IOS 15.2(7)E; Rapid PVST+ (Standard seit 15.2(4)E), PVST+ und MSTP
BereichNetzwerk-Hardware
Dauerca. 30 Minuten (Planung und Konfiguration für einen Standort)
RechtePrivileged EXEC (enable) auf allen beteiligten Switches
StandOktober 2026

Spanning Tree auf dem Cisco Catalyst 2960-X verhindert, dass redundante Verbindungen zwischen Switches eine Schleife bilden, die das Netz binnen Sekunden mit Broadcasts lahmlegt. Der Switch blockiert dafür automatisch überzählige Pfade und gibt sie frei, sobald eine Leitung ausfällt. Damit das zuverlässig und schnell funktioniert, legen Sie die Root Bridge bewusst fest, nutzen Rapid PVST+ und schützen die Endgeräte-Ports mit PortFast und BPDU Guard.

Spanning Tree auf dem Catalyst 2960-X: Der Core-Switch ist Root Bridge mit Priorität 4096, jeder Access-Switch hat einen Root Port und einen blockierten Alternate Port; Endgeräte-Ports nutzen PortFast und BPDU Guard, Root Guard und Loop Guard sichern die Uplinks ab.

Spanning-Tree-Grundlagen

Begriff Bedeutung
Root Bridge Mittelpunkt des Baums; gewinnt mit der niedrigsten Bridge-ID (Priorität + MAC-Adresse)
Root Port Port eines Switches mit dem kürzesten Weg zur Root Bridge
Designated Port leitet auf einem Segment in Richtung der Endgeräte weiter
Alternate Port Ersatzweg zur Root Bridge – blockiert, bis der Root Port ausfällt
Edge Port Port zu einem Endgerät; geht dank PortFast sofort in den Weiterleitungszustand
BPDU Steuerrahmen, mit denen die Switches den Baum berechnen

Allgemeine Hintergründe zum Verfahren stehen im Lexikonartikel Spanning Tree Protocol.

Betriebsarten auf dem 2960-X

Modus Befehl Eigenschaften
Rapid PVST+ (Standard) spanning-tree mode rapid-pvst eigener Baum je VLAN, Umschalten in Sekundenbruchteilen bis wenigen Sekunden (802.1w)
PVST+ spanning-tree mode pvst klassisches 802.1D je VLAN, 30–50 Sekunden Umschaltzeit – nur noch für Altnetze
MSTP spanning-tree mode mst mehrere VLANs teilen sich eine Instanz; Standard (802.1s), gut für Netze mit anderen Herstellern

Bei Rapid PVST+ und PVST+ unterstützt der 2960-X (bzw. ein Stack) höchstens 128 Spanning-Tree-Instanzen. Bei mehr VLANs ist MSTP die bessere Wahl.

Planung: Wer wird Root Bridge?

Ohne Konfiguration haben alle Switches die Priorität 32768 – Root wird dann der Switch mit der niedrigsten MAC-Adresse, oft das älteste Gerät im Netz. Deshalb festlegen:

Rolle Priorität Beispiel
Core-Switch bzw. Core-Stack 4096 (Root) Server-Raum
Zweiter Core / Verteiler 8192 (Ersatz-Root) zweiter Brandabschnitt
Access-Switches 61440 (nie Root) Etagenverteiler mit 2960-X

Die Priorität lässt sich nur in Schritten von 4096 einstellen (0 bis 61440).

Schritt 1: Rapid PVST+ auf allen Switches

SW-EG-01# configure terminal
SW-EG-01(config)# spanning-tree mode rapid-pvst
SW-EG-01(config)# spanning-tree extend system-id

Alle Switches im Netz sollten denselben Modus verwenden. Ein Wechsel des Modus startet die Berechnung neu und unterbricht den Verkehr kurz – im Wartungsfenster durchführen.

Schritt 2: Root Bridge und Prioritäten festlegen

Auf dem Core-Switch (Root) bzw. dem Ersatz-Root:

CORE-01(config)# spanning-tree vlan 1-4094 priority 4096
CORE-02(config)# spanning-tree vlan 1-4094 priority 8192

Auf den 2960-X im Access-Bereich:

SW-EG-01(config)# spanning-tree vlan 1-4094 priority 61440

Alternativ berechnet spanning-tree vlan 10,20 root primary bzw. root secondary eine passende Priorität – feste Werte sind aber nachvollziehbarer.

Schritt 3: Endgeräte-Ports mit PortFast und BPDU Guard

Pro Port (siehe Cisco Catalyst 2960-X: VLANs und Access-Ports konfigurieren):

SW-EG-01(config)# interface range gi1/0/1 - 44
SW-EG-01(config-if-range)# spanning-tree portfast
SW-EG-01(config-if-range)# spanning-tree bpduguard enable

Oder global für alle Access-Ports:

SW-EG-01(config)# spanning-tree portfast edge default
SW-EG-01(config)# spanning-tree portfast edge bpduguard default

Seit IOS 15.2(4)E speichert der Switch spanning-tree portfast als spanning-tree portfast edge. Die globalen Befehle wirken nur auf Access-Ports, nicht auf Trunks.

  • PortFast: Endgeräte bekommen sofort Verbindung, und ihr Ein- und Ausstecken löst keine Topologieänderung im ganzen Netz aus.
  • BPDU Guard: Empfängt ein Edge Port eine BPDU – etwa weil jemand einen Switch ansteckt –, wird der Port gesperrt (err-disabled).

Schritt 4: Uplinks absichern

Root Guard auf den Downlinks des Core

Verhindert, dass ein falsch konfigurierter Switch an einem Downlink zur Root Bridge wird:

CORE-01(config)# interface range te1/0/10 - 12
CORE-01(config-if-range)# spanning-tree guard root

Loop Guard auf den Access-Switches

Schützt vor Schleifen durch einseitig ausgefallene Glasfaserstrecken, wenn keine BPDUs mehr ankommen:

SW-EG-01(config)# spanning-tree loopguard default

Root Guard und Loop Guard dürfen nicht auf demselben Port aktiv sein. UplinkFast und BackboneFast sind nur bei PVST+ wirksam und mit Rapid PVST+ überflüssig.

Gesperrte Ports automatisch wieder freigeben (optional)

SW-EG-01(config)# errdisable recovery cause bpduguard
SW-EG-01(config)# errdisable recovery interval 300

Der Port wird nach 5 Minuten wieder aktiviert. Ist die Ursache noch vorhanden, sperrt BPDU Guard ihn erneut. Ohne diese Einstellung muss ein Administrator den Port mit shutdown / no shutdown freigeben.

Kontrolle

show spanning-tree summary              ! Modus, Guards, Anzahl Ports je Zustand
show spanning-tree root                 ! Root Bridge und Root Port je VLAN
show spanning-tree vlan 10              ! Rollen und Zustände der Ports in VLAN 10
show spanning-tree inconsistentports    ! durch Root/Loop Guard blockierte Ports
show interfaces status err-disabled     ! durch BPDU Guard gesperrte Ports
show spanning-tree detail | include ieee|occurr|from|is exec

Der letzte Befehl zeigt je VLAN die Zahl der Topologieänderungen, wann die letzte war und über welchen Port sie kam – die wichtigste Spur bei sporadischen Aussetzern.

Typische Probleme

Symptom Ursache Lösung
Netz bricht schlagartig zusammen, alle Port-LEDs blinken Schleife, z. B. durch Patchkabel zwischen zwei Dosen bei fehlendem BPDU Guard betroffene Leitung trennen, BPDU Guard auf allen Edge Ports aktivieren
Log-Meldung %SW_MATM-4-MACFLAP_NOTIF dieselbe MAC-Adresse taucht an zwei Ports auf – Hinweis auf eine Schleife Ports aus der Meldung verfolgen
Ports gehen nach Anschluss eines Geräts in err-disabled BPDU Guard hat eine BPDU empfangen (Switch, Bridge im Hypervisor) Gerät prüfen; Ports zu Switches nicht als Edge konfigurieren
Häufige kurze Aussetzer viele Topologieänderungen durch Ports ohne PortFast PortFast auf allen Endgeräte-Ports
Verkehr läuft über einen unerwarteten Weg falsche Root Bridge Prioritäten wie oben festlegen

Hinweise

  • Spanning Tree nie abschalten – auch nicht in Netzen ohne geplante Redundanz. Ein versehentlich gestecktes Kabel genügt für eine Schleife.
  • Redundante Uplinks besser bündeln: Zwei Leitungen zum selben Core-Switch oder Stack als EtherChannel betreiben – beide Leitungen sind dann aktiv, und Spanning Tree sieht nur eine Verbindung. Siehe Cisco Catalyst 2960-X: EtherChannel mit LACP konfigurieren.
  • Andere Hersteller: Switches anderer Hersteller sprechen meist RSTP oder MSTP. Mit Rapid PVST+ läuft die Zusammenarbeit über VLAN 1; in gemischten Netzen ist MSTP oft die sauberere Lösung.
  • Bei Planung und Fehlersuche in Ihrer Switch-Infrastruktur unterstützen Sie die Managed Services von m.a.x. it.

Siehe auch

Links und Quellen


Über m.a.x. it Die m.a.x. Informationstechnologie AG ist seit über 30 Jahren IT-Partner mittelständischer und großer Unternehmen in München und bietet maßgeschneiderte Lösungen und Services in den Bereichen Cloud, Cybersecurity, Netzwerk, Windows, Linux und Softwareentwicklung. Sie haben eine Frage zu diesem Artikel oder brauchen Unterstützung? Kontakt aufnehmen